Das Löschwesen ab 1888


DAS LÖSCHWESEN WÄHREND DER ZEIT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN HERRSCHAFT

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Die Gründung der Berufsfeuerwehr Bremerhaven

Das Stadtverordnetenkollegium unter Stadtrat Hagemann beschloß am 14.05.1893 eine Reorganisation der Städtischen Feuerwehr Bremerhaven. Dazu folgende Forderung:

Die Feuerwehr sollte nach Möglichkeit aus einer exerziermäßig geübten Löschmannschaft aus gedienten Leuten bestehen. Außerdem sollte die ständige Besetzung der Wache durch eine Löschmannschaft gewährleistet und eine Bespannung auf der Wache verfügbar sein, damit jede Brandstelle in angemessener Zeit erreicht werden konnte. Es sollte eine Berufs- und Reservefeuerwehr eingerichtet werden.

Dem stimmte der Bremer Senat am 11. Juli 1893 zu. Die Leitung übernahm der Führer und Branddirektor der bisherigen Pflichtfeuerwehr, Herr Bezirksschornsteinfegermeister Freiträger.Die Hälfte der Kosten hierfür übernahm weiterhin der Staat und die Freie und Hansestadt Bremen.


Bau der Hauptwache an der Barkhausenstraße

Am 06. Juni 1900 wurde die Verlegung des Feuerwehrdepots von der Schifferstraße zur Bahnhofstraße, der heutigen Barkhausenstraße beschlossen. Die Feuerwehr benötigte Platz für Erweiterungen, z.B. Unterbringungsmöglichkeiten für eine dritte Dampfspritze und dem von Herrn Rickmers ( Werftbesitzer ) gespendeten Krankenwagen für Pferdebespannung, Bau eines neuen Leiterhauses sowie eine Erhöhung des Steigerturmes. Die Baukosten betrugen 31000,00 Mark.

Die neue Wache lag zwar zur Stadt nicht mehr so zentral, aber für den sich nach Norden ausdehnenden Hafen um so günstiger. 1901 findet der Umzug von der alten in die neue Wache statt. Alle Fahrzeuge, Geräte und Mannschaften waren nun unter einem Dach. Es gab noch keine elektrische Beleuchtung. Die Mannschaft musste bei Gaslicht ruhen. Alarmlicht, wie es später und auch heute sofort in allen Räumen, gab es noch nicht.

Bei Alarm konnte schlecht erst der Glühstrumpf angezündet werden. Der Bau einer Dienstwohnung für den Leiter der Berufsfeuerwehr begann 1907. Vorher wohnte er in der Stadt und wurde bei Feueralarm mit einer einspännigen Kalesche abgeholt. Rückblickend betrachtet, muss man sich wundern, welches Ansehen ein Feuerwehrführer zu der Zeit hatte, denn die "Wohnung" war ein komplettes Haus im Thüringer Landhausstil mit Arbeitszimmer, Esszimmer, Loggia, Küche, Speisezimmer und Abort. Im 1. OG kamen noch Schlaf-, Schrank-, Wohn- und Fremdenzimmer, sowie Mädchenstube, Waschküche und Abort hinzu. Das Ganze war von einem Garten umgeben. Dieses Haus wurde bis 1967 im Obergeschoss als Dienstwohnung genutzt; in den unteren Räumen war, wie später im ganzen Haus, die Feuerwehrverwaltung untergebracht.

Die neu erbaute Feuerwache erwies sich bald als zu klein und wurde aufgestockt. Die Erweiterung verteilte sich auf zwei Abschnitte und war 1911 fertiggestellt. In den neuen Nebengebäuden wurden die Kranken-, Mannschafts-, Schlauch- und der Dienstwagen des Brandinspektors untergestellt. Außerdem befindet sich dort noch die Samariterstube, Tischlerei, Schmiede-, Schlosser- und Klempnerwerkstatt einschließlich einer Turnhalle. Die Raumverteilung im Hauptgebäude ist nach modernsten Grundsätzen gestaltet: In den Obergeschossen befand sich das Dienstzimmer des Brandinspektors, Tagesräume für Oberfeuerwehrleute und Mannschaften, Schrank- und Waschräume, eine Küche und die Feldwebelwohnung. Außerdem eine Telegrafenwerkstatt, Bekleidungskammer, Schlauchkammer, diverse Werkstätten sowie Futter- und Heuvorratskammer. Im Erdgeschoß war Platz für die Einsatzfahrzeuge, der Stall für 8 Pferde, Fahrerstube, Krankenstall, 2 Telegrafenzimmer, 1 Ruheraum für Oberfeuerwehrleute, Treppenhaus mit Zugang zum Steiger- und Schlauchturm. Eine neueingerichtete elektrische Alarm- und Wachbeleuchtung vervollständigte das ganze. Die Fahrzeughallen sind mit den Fluren und Ruheräumen erstmalig mit Rutschstangen verbunden. Durch die automatischen Auslösevorrichtung für die Pferdestände, Hallentore und amerikanische Klappkummete für die Pferde, war die Wache imstande, in spätestens 20 Sekunden bei Alarm zum Abmarsch fertig zu sein.


Die Berufsfeuerwehr Bremerhaven im 1. Weltkrieg

Das gesamte Feuerlöschwesen im Bereich der nun sogenannten Festung Wesermünde, wurde dem Militärpolizeimeister (einen Offizier vom Stab des Festungskommandanten) unterstellt. Außer der Berufsfeuerwehr Bremerhaven, gehörten dazu die Feuerwehren der preußischen Ortschaften Lehe und Geestemünde, der Spritzengruppe des Marinedepots Geestemünde und der Spritzengruppe der Marinebehörde der Garnison Lehe.

Viele freiwillige Feuerwehrmänner wurden zum Heeresdienst eingezogen. Die Lücken wurden durch nicht mehr wehrpflichtige Leute aufgefüllt. Im 1. Kriegsjahr wurde auch der vom Militärpolizeimeister Kulow ernannte Brandinspektor Walter mit 16 Berufsfeuerwehrleuten zum Kriegsdienst eingezogen. Die Kosten für Ersatzfeuerwehrleute sollten gespart werden, also wurden im 24stündigen Wechsel jeweils 1 Unteroffizier und 7 Matrosen von der IX. Seewehrabteilung der Feuerwehr unterstellt. Für Großfeuer stand als Feuerpikett (bereitgehaltener Truppenteil) in der Marinegarnison der Matrosenartillerie- Abteilung eine Feuerspritze mit Mannschaften bereit, außerdem standen noch die Seesoldaten der Telegraphenschule als Verstärkung zur Verfügung. Von den in den Krieg gezogenen Berufsfeuerwehrleuten sind fünf nicht mehr zurückgekommen.

Auf einem Gedenkstein vor unserer Wache im Haupteingang sind die Namen verewigt. Wie groß das Elend auch in nicht direkt von Kriegshandlungen betroffenen Gebieten war, zeigt u.a. die Lage der Feuerwehr in Bremerhaven.

Es gab kaum etwas zu essen und keinerlei Material mehr. Ein Antrag der Feuerwehrmannschaften ist für die Lage kennzeichnend. So reichten die Chargierten und Mannschaften der Feuerwehr einen Antrag mit der Bitte und geneigtem Wohlwollen an die hochwohllöbliche Brand-löschkommission um die Bewilligung neuer Stiefel oder Reparatur derselben ein. Es wurde vom preußischen Staat vorgeschlagen, die nicht mehr notwendigen ledernen Löscheimer zur Reparatur der Stiefel zu verwenden.

Vor dem Krieg 1914/18 waren die Dienstverhältnisse bei der Berufsfeuerwehr so geregelt: Einer ununterbrochenen 48stündigen Dienstzeit folgte eine 24stündige Freizeit. Während des Krieges war der Wachdienst von 48 Stunden auf 72 Stunden erhöht worden und danach theoretisch 24 Stunden frei.

Tatsächlich wurde an fast jedem dienstfreien Tag Sicherheitswache gegangen. Im Theater, Volksgarten, Freimarkt, Schützenfest, Ausstellungen und auf Schiffen, nach Bränden usw. um die Wachabteilungen aufzufüllen. Auf eine am 04.05.1915 erfolgte Eingabe der Feuerwehrleute auf Verkürzung der Dienstzeit erhielten sie die folgende Antwort: "Während der Kriegszeit muss auch hinter der Front jeder das Höchste leisten, dessen er überhaupt fähig ist. "

Nach der Rückkehr der Kriegsteilnehmer wurde am 02. Dezember 1918 der 24stündige Wechsel eingeführt.


Der Einstieg in die Motorisierung

Jeder Brandort in der Stadt Bremerhaven (Lehe und Geestemünde gehörten noch nicht dazu) wurde in spätestens sechs Minuten erreicht und das nicht mit modernen PS-starken Kraftfahrzeugen, sondern mit Pferd und eisenbeschlagenen Wagenrädern.

Die Pferde waren vorrangig hochbeinige Hannoveraner. Sie galten als die schnellsten Renner und wurden sorgsam gepflegt wie edle Traber. Falls kein Alarm war, mußten die Tiere ein regelrechtes Konditionstraining absolvieren, zweimal am Tag im Galopp die Bahnhofstraße (jetzt Barkhausenstraße) rauf und runter.

Die Pferde standen in Laufboxen hinter den Fahrzeugen. Das Geschirr hing über der Deichsel mit Rollen und Seilzug unter der Decke. Bei Alarm wurde die Boxentür mechanisch vom Telegrafisten entriegelt.

Die Pferde liefen selbständig vor die Fahrzeuge zur Deichsel. Schnaubend und stampfend standen sie da und warteten auf die Feuerwehrleute. Diese kamen meistens über Gleitstangen aus dem Obergeschoß ihrer Wachräume. Mittels Seilzug landete das Geschirr auf dem Pferderücken. Der Kutscher sprang immer sofort auf den Kutschbock. Andere Feuerwehrleute legten das KUMT (Kummet) um den Hals des Pferdes, hakten die Deichsel ein und warfen die Zügel dem Kutscher zu. Dieser hatte alle Mühe, die tatkräftigen Tiere zu halten. Vom Kutschbock wurden die Hallentore geöffnet und ab ging die Alarmfahrt. Wehe dem Feuerwehrmann, der noch nicht auf seinem Platz saß, er blieb unweigerlich zurück. Hinterherrennen war sinnlos. Waren bei Fehlalarm die Feuerwehrmänner nicht zur vorgeschriebenen Zeit zur Stelle, dann drehten sich die vierbeinigen Kameraden wieder um und spazierten zu ihren Boxen zurück. Dieser Vorgang des Ausrückens dauerte wie heute nur 45 Sekunden. Die Feuerwehr Bremerhaven stand damit der schnellsten der Welt nicht nach.


SO STEHT ES IN EINEM ARTIKEL DER NORDDEUTSCHEN ZEITUNG.

Die schnellste Feuerwehr der Welt?
Ein Zeitungsartikel vom 30.04.1908 lautet:

Unter der Bezeichnung " Die beste Feuerwehr der Welt " veröffentlichte der Korrespondent der New Yorker Zeitschrift MATIN, Mr. Lauzanne von einem Probealarm der New Yorker Feuerwehr.

Dort hieß es: " Während die Feuerglocke anschlug, stellten sich die klugen Pferde von selbst vor die Wagen. Die Geschirre gleiten automatisch herab und in wenigen Sekunden ist der Löschzug abmarschbereit. Die Feuerwehrmänner glitten gleich Akrobaten an langen kupfernen Säulen herab und erreichten ihre Fahrzeuge in unglaublich kurzer Zeit."

Eine Ergänzung hierzu kam von dem Brandinspektor der Berufsfeuerwehr Bremerhaven: "Die als besonders modern erwähnten amerikanischen Einrichtungen, wie Gleitstangen, automatische Auslösevorrichtungen, Dressur der Pferde usw. sind seit vielen Jahren in Deutschland gebräuchlich. Wer daran zweifelt, kann sich durch Augenschein bei der Bremerhavener Berufsfeuerwehr selbst überzeugen".

Damit war eine Epoche beendet.

Der Einstieg in die Motorisierung

1909 wurde eine umfangreiche Studie über das FÜR und WIDER der Motorisierung bei der Feuerwehr erstellt. Wer war günstiger, Automobil- oder Pferdebetrieb? In seinem Bericht an die Brandlöschkommission kam der damalige Leiter der Berufsfeuerwehr Bremerhaven, Herr Brandinspektor Walter zu dem Ergebnis, das es durchaus geboten ist, die Pferde im Dienst der Feuerwehr durch mechanische Kraft zu ersetzen.

Erst im Juni 1925 wurde die erste Motorspritze beschafft.
Wie kam es zu dieser 16. jährigen Verzögerung?

1914 brach der 1. Weltkrieg aus, an eine Umstellung war nicht zu denken,
1917 kam es zu einer Hungerskatastrophe,
Nach dem 1. Weltkrieg folgten weitere Notzeiten, erst
1924 , am Ende der Inflationszeit, war der Weg für Neuanschaffungen frei.

Die erwähnte Motorspritze wurde von der Firma Magirus in Ulm geliefert und hatte 70 PS mit einer Leistung von 2000 Liter Wasser in der Minute und eine Geschwindigkeit von 45 km/h. Das zweite Motorfahrzeug war ein Magirus Krankenwagen mit 32 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Er wurde am 23. Oktober des gleichen Jahres in Dienst gestellt.

Am 16. März 1926 wurde eine Drehleiter mit 26 m Länge, 70 PS und einer Geschwindigkeit von 45 km/h angeschafft. Damit war der Löschzug komplett. Im gleiche Jahr kam von den Hansa-Lloydwerken in Bremen noch ein Transportwagen. Es hatte 2 Tonnen Gewicht, einen 30 PS Motor, bei einer Geschwindigkeit von 36 km/h. Die Ladefläche hatte 12 Sitze für den Mannschaftstransport. 1927 gingen die Anschaffungen weiter, die zweite Motor-spritze wird von Magirus geliefert, der Preis hierfür ist 26.512 RM.

Nach der Verfügung des Preuß. Ministers für Volkswohl war das Führen des " Roten Kreuzes " auf Sanitätsfahrzeugen der Berufsfeuerwehr verboten. Sehr viele Berufsfeuerwehrleute erwerben den Führerschein.

Ende 1928 war die Automobilisierung bei der Berufsfeuerwehr Bremerhaven mit dem Kauf eines Dienstwagen für den Branddirektor und eines zweiten Krankenwagen abge- schlossen. Es waren insgesamt 4 Krankenwagen, 2 bei BF Wesermünde und 2 bei der BF Bremerhaven.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven