Chronik Rettungsdienst

Es war ein weiter Weg, der über Handkarre, Pferdebespannung bis zum modernen, mit allen medizinischen Geräten ausgestatteten Rettungswagen führte.


Am Anfang wurde der Krankentransport von der Feuerwehr mit einer überdeckten Handkarre ausgeführt, bis Herr Rickmers (Werftbesitzer) der Stadt Bremerhaven 1898 einen Krankenwagen für Pferdebespannung schenkte.

Die Motorisierung bei der Feuerwehr Bremerhaven erfolgte erst ab 1925. Am 23. Oktober 1925 wurde ein Magirus-Krankenwagen in Dienst gestellt. Dieser war das erste Motorfahrzeug für den Krankentransport mit einer Leistung von 32 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Die Ausstattung bestand aus zwei Tragen übereinander, Verbandskasten, Sauerstoffkoffer und eingebautem Waschbecken.

Der Krankentransportdienst bestand 1927 aus vier Krankenwagen, je zwei bei der Berufsfeuerwehr Wesermünde und Bremerhaven. Die Berufsfeuerwehr Wesermünde hatte im Gegensatz zur Berufsfeuerwehr Bremerhaven zwei Krankenautomobile von der Firma Hansa Lloyd Bremen mit je 60 PS. Der erste wurde bereits im April 1925 und der zweite im März 1927 beschafft. Die Wehren teilten sich das Transportaufkommen und die Einnahmen. Für die Auswärtsfahrt wurden 50 Pfennig pro Kilometer berechnet, mindestens aber 5,00 Reichsmark. Innerhalb der Unterweserstädte kostete der Krankentransport einheitlich 4,00 RM. Die Krankenwagenwäsche beschaffte das Krankenhaus Wesermünde-Geestemünde. Die Wäsche und die Schutzanzüge der Feuerwehrleute wurden nach dem Transport eines Patienten mit einer ansteckenden Krankheit im Krankenhaus desinfiziert und gewaschen.

Allgemein wurde bemängelt, daß die Federung der Krankenwagen sehr hart war. Nach der Verfügung des Preußischen Ministers für Volkswohl war das Führen des "Roten Kreuzes" auf Sanitätswagen der Berufsfeuerwehren verboten.

Mit dem preußischen Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 15. Dezember 1933 wurden die Feuerwehren Preußens den Polizeibehörden unterstellt. Daraufhin bürgerte sich der Begriff "Feuerlöschpolizei" ein.

Die Wesermünder Berufsfeuerwehr (Feuerlöschpolizei) führte 1935 mit zwei Krankenwagen 1.807 Transporte durch. Infektionskrankheiten wie Scharlach, Diphtherie, Typhus, Tuberkulose gab es sehr häufig.

1937 wurde von der Feuerlöschpolizei Wesermünde ein neuer Krankenwagen (Opel-Blitz) für 8.500,00 RM beschafft.


63 Berufsfeuerwehrleute erhielten eine Ausbildung für den Sanitätsdienst.

Den Lehrgang führte Dr. Blohm vom DRK jeden Dienstag von 20:00 bis 22:00 Uhr durch.

Krankenwagen Opel-Blitz ( dunkelgrün)
Aufschrift: Städt. Feuerlöschpolizei Wesermünde
mit Polizeikennzeichen


Ab den 28.11.1938 wurde per Feuerlöschgesetz die Feuerwehr als Feuerschutzpolizei der Polizeiorganisation voll eingegliedert.

Wegen Personalmangel konnte 1944 der Krankentransport nicht mehr durchgeführt werden. Im März 1944 übernahm das Deutsche Rote Kreuz für die Stadt Wesermünde den Krankentransport.

Auf Anordnung der Militärregierung (1945) mußte der noch vorhandene Krankenwagen der Feuerwehr wieder Krankentransporte durchführen. Im August 1945 übernahm die Feuerwehr vom DRK teilweise den Krankentransport. Gleichzeitig wurden vier Krankenwagen übergeben. Am 1. Februar 1946 hat die Berufsfeuerwehr das Krankentransportwesen wieder allein übernommen. Schon am ersten Tag wurden 28 Transporte mit 742 km durchgeführt. Hierfür setzte man täglich sieben Mann ein. Der Transport der Patienten erfolgte zum größten Teil in das Krankenhaus Drangstedt. Im Jahre 1946 transportierte die Berufsfeuerwehr mit vier Krankenwagen und zwei Hilfskrankenwagen im Durchschnitt 700 Patienten im Monat. Von den vier eingesetzten Krankentransportwagen befanden sich in der Regel zwei in Reparatur. Zur täglichen Reparatur zählten Motorschäden, Reifenpannen und Batterieausfall. Bei Krankenhauseinweisungen oder Entlassungen transportierte die Feuerwehr gehfähige Patienten mit den Hilfskrankenwagen.

Im Jahre 1948 wurden die beiden ersten Mercedes-Krankenwagen, Typ V170, angeschafft. 1954 wurde ein Großraumkrankenwagen in Dienst gestellt. Im Großraumkrankenwagen konnte man zwei liegende und drei sitzende Patienten transportieren, er wurde als Unfallwagen eingesetzt.


Ein Infektionswagen wurde 1955 für 13.500,00 DM gekauft.

In den 60er Jahren waren nur einige Krankenwagen mit Funk ausgestattet. Meldungen wurden über Telefon in den Krankenhäusern oder über die Straßenfeuermelder abgesetzt. In dieser Zeit war das Stadtgas hoch giftig. Es gab viele Gasvergiftungen. Zur Wiederbelebung wurde anfangs der "Inhabad", später der "Pulmotor" eingesetzt. Der Transport innerhalb der Stadt kostete 8,00 DM. Auswärtstransporte, z. B. nach Bremen, 90,00 DM. Bei Mehrfachtransporten ermäßigte sich der Preis auf 5,00 DM je Patient

Bild aus dem Jahre 1965

Von links:

2 Hilfskrankenwagen, 1 Infektionswagen, 1 Reservekrankenwagen, 5 VW-Bus-Krankenwagen und der Unfallwagen


SOFORTMASSNAHMEN AM UNFALLORT KÖNNEN MENSCHENLEBEN RETTEN

Unter dieser Devise setzte sich seit 1969/70 der Unfallarzt Dr. Horst Pane nachhaltig für einen Notarztwagen ein. Die Chefärzte der Bremerhavener Krankenhäuser unterstützen diesen Aufruf. Vorbilder waren die Rettungssysteme anderer Großstädte und besonders die Stadt Bremen. Im Februar 1972 war es endlich geschafft. Für ein Anschaffungspreis von 70.000,00 DM stand ein gut ausgerüstetes Fahrzeug bereit. Die Feuerwehr hatte zwischenzeitlich 30 Transportsanitäter ausbilden lassen. Am 7. Februar 1972 wurde der 1. RTW/NAW in Dienst gestellt.

Der Rettungswagen war miit drei Mann Besatzung, einem Fahrer und zwei Sanitätern besetzt. Von der Absicht, ihn als fahrbaren Operationssaal am Unfallort einzusetzen, war man vorerst abgekommen. Zeitweise fuhren der Hausarzt oder ein Krankenhausarzt mit. Nach einem Jahr Erprobung wurde allen Beteiligten klar, dass die rollende Klinik ohne Arzt nur bedingt einsatzbereit war. Der NAW erfüllte erst dann voll seinen Zweck, wenn er mit einem Arzt besetzt war, der die Geräte bedienen und lebensrettende Maßnahmen ergreifen konnte. Im Oktober 1973 lag das mündliche Einverständnis einer ausreichenden Anzahl Ärzte von allen Bremerhavener Krankenhäusern vor, am Notfall-Rettungsdienst teilzunehmen.


Der zweite Notarztwagen wurde 1975 bei der Feuerwache 4 (Leherheide) am Debstedter Weg stationiert. Er sollte hauptsächlich das Wohnballungsgebiet Leherheide-West und die Autobahn bedienen. Er wurde im Bedarfsfall mit dem Notarzt, sonst als Rettungswagen eingesetzt. Der erste NAW blieb tagsüber bei den Krankenhäusern, bei denen die Notärzte tätig waren, und in der Nacht bei der Hauptwache (Wache I) stationiert.

Die Notärzte wurden nach dem "Rendezvous-Verfahren" eingesetzt. Am Tag war der Notarztwagen und zusätzlich ein Notarztfahrzeug (Opel Kadett) am jeweiligen Krankenhaus stationiert. Bei einen Notfall fuhren beide Wagen zum Einsatzort. Nach Dienstschluß des Arztes fuhr er entweder mit dem Notarztfahrzeug nach Hause, um einsatzbereit zu sein oder verbrachte die Nacht direkt in der Zentralen Feuerwache (ab 1980) und rückte mit dem Notarztwagen aus. Dieses Verfahren wurde bis März 1994 angewandt.

Die bisher auf den Rettungswagen (RTW) vorhandenen "Pulmotore" wurden im August 1988 von den Fahrzeugen genommen und durch die in ihrer Wirkungsweise effektiveren "Ambu-Beutel" ersetzt.

Seit Januar 1990 wirken die drei Hilfsorganisationen, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) im Rettungsdienst mit. Die Organisationen teilen sich ein Fahrzeug, das von ihnen rund um die Uhr besetzt wird. Der Einsatz erfolgt, wie für die Wagen der Feuerwehr, durch die Einsatzleitstelle der Feuerwehr. Auch die Abrechnung mit den Kassen erfolgt über die Feuerwehr.

Am 1. April 1994 wurde das Notarztsystem auf das "Rendezvous-Notarzteinsatzsystem" umgestellt. Das Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) ist ein Fahrzeug des Rettungsdienstes der Feuerwehr Bremerhaven, das sich zur Beförderung des Notarztes bzw. der Notärztin an den Not-/Unfallort eignet. Die mitgeführte medizinische-technische Beladung ermöglicht eine Primärversorgung der Notfallpatienten vor Ort. Das NEF wird auf der Zentralen Feuerwache (ZFW) bzw. am jeweiligen Krankenhaus des diensthabenden Notarztes stationiert. Die Besatzung besteht aus einem Notarzt/Notärztin und einem Rettungsassistenten von der Feuerwehr. Beide bilden einen taktischen Einsatztrupp. RTW und NEF zusammen bilden eine taktische Einheit. Mit diesem neuen Notarztsystem konnte eine noch größere Beweglichkeit im Notfall-Rettungswesen erreicht werden, um den Bürgern bei akuten lebensbedrohlichen Erkrankungen und Unfällen schnellstens Hilfe zu leisten.

Zu einem Notarzteinsatz sind gleichzeitig durch die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Bremerhaven das NEF und der nächste freie Rettungswagen zu alarmieren (Rendezvous-System). Alle RTW der Feuerwehr Bremerhaven sind mit einem Rettungsassistenten und einem Rettungssanitäter besetzt.

Die großen Notarztwagen wurden mit der Zeit ausgemustert und die neuen Rettungswagen sind mit den notwendigen medizinisch-technischen Geräten ausgerüstet worden. Dazu gehören unter anderen ein Defibrillator-EKG-Gerät, Medikamente, Sauerstoffflaschen, eine Schaufeltrage, eine Vakuummatratze, eine Krankentrage, ein Krankentragestuhl und andere medizinische Geräte mit Zubehörteilen. Alle Transporte, ob für den qualifizierten Krankentransport oder den Rettungstransport mit oder ohne Notarzt, werden nur noch mit diesen neuen RTWs durchgeführt.

Ein neuer Transport-Intensivinkubator ( ITU 5400) für den Transport von vital gefährdeten Früh- und Neugeborenen wurde im Oktober 1999 angeschafft.

Im März 2001 wurde der neue Rettungswagen (RTW-96) "Käthe Becker" getauft. Die Feuerwehr gibt ihren Rettungswagen künftig Namen. Damit werden Personen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich geehrt. Die Taufe soll auch dazu beitragen, die Anonymität von Rettungsfahrzeugen aufzuheben. "Menschen in einer Notlage sollen sich geborgen fühlen", so der Feuerwehrdezernent Jörn Hoffmann.


Am 30. Juni 2001 endete der Vertrag mit den drei Hilfsorganisationen (Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), gemeinsam mit der Feuerwehr Bremerhaven den "Rettungsdienst Bremerhaven" durchzuführen. Der Vertrag bestand elfeinhalb Jahre.

Bild: RTW-93 (ehem. RTW für ASB-DRK-JUH)

Seit dem 1. Juli 2001 führt die Feuerwehr Bremerhaven den Rettungsdienst mit der Notfallrettung mit und ohne Notärzte (Notarzt-Rettungssystem) und den qualifizierten Krankentransport wieder allein durch.


Innovative Technik bei der Feuerwehr Bremerhaven entwickelt

FW-Pressestelle vom 04.09.2002 : Erfindung im Dienste der Patienten

Das man in seiner Frei- und Bereitschaftszeit auch Erfindungen zum Wohle der Patienten entwickeln kann, bewiesen die beiden Oberbrandmeister Michael Reinicke und Mathias Breitschuh.

Die beiden technikinteressierten Feuerwehrbeamten haben sich sehr intensiv damit auseinandergesetzt, wie die zum Teil lebensrettende Infusionslösung unabhängig von der Außentemperatur bei gleicher Temperatur gehalten und so dem Patienten verabreicht werden kann.

Das Problem: Das Problem war, dass die Infusionen nur im Rettungswagen (RTW) vorgewärmt wurden, d. h. wurde die Behandlung nicht im RTW durchgeführt sondern an einer Stelle, die in einiger Entfernung zum RTW lag, kühlten die Infusionsflaschen wieder ab, bevor sie dem Patienten zugeführt werden konnten.Die Erfahrung bei vielen Einsätzen zeigte, dass die Infusionslösungen so weit herunterkühlten, dass ein Verabreichen nicht mehr möglich war. Aufgrund dieser Erfahrung entwickelten die Beamten in ihrer Frei- und Bereitschaftszeit eine Wärmebox in einem Notfallkoffer. Die Wärmebox ist schon seit einiger Zeit in Erprobung auf den Rettungswagen der Bremerhavener Feuerwehr. Die Erfahrungen, vor allem in den Wintermonaten, waren überzeugend.

Die Lösung: Die integrierte Wärmebox im Notfallkoffer der RTW wird über die Fahrzeugbatterie betrieben. Die Wärmebox schafft die Voraussetzung, dass die Infusionslösungen auch bei niedriger Außentemperatur über Stunden auf nahezu konstanter Temperatur gehalten werden.

Stadtrat Jörn Hoffmann, Dezernent für die Berufsfeuerwehr Bremerhaven: "Ich möchte den Herren Michael Reinicke und Mathias Breitschuh für die entwickelte innovative Technik und für das Engagement im Namen des Magistrats der Seestadt Bremerhaven und aller Patienten recht herzlich danken. Nach Erlangen der Patentrechte wird die Feuerwehr Bremerhaven nun auch bundesweit andere Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschutzverbände zum Wohle der Patienten für diese revolutionäre Idee begeistern. Auch die Berufsfeuerwehr Bremerhaven trägt dazu bei, dass neue innovative Technik über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgen wird."

Die Gesamtzahl der durchgeführten Rettungs- und Krankentransporte einschließlich Notarzteinsätze betrugen im Jahr 2004 insgesamt 13.420.