Das Löschwesen von 1933-1945

DAS LÖSCHWESEN WÄHREND DER ZEIT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN HERRSCHAFT

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Das erste Ziel der Nationalsozialisten war, das Feuerlöschwesen zu vereinheitlichen. Dazu wurde vom preußischen Staatsministerium am 15.12.1933 das preußische Feuerschutzgesetz erlassen, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat.

Das Wirken der Freiwilligen Feuerwehr wurde in einer Mustersatzung geregelt. Die Anerkennung einer Feuerwehr wurde von der Polizeiaufsichtsbehörde ausgesprochen. Die Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr mußten als Hilfspolizeibeamte bestätigt werden. Nach der neuen gesetzlichen Regelung herrschte das reine Führerprinzip. Das bedeutete, daß einige verdiente Feuerwehrführer, so auch der Oberführer, als Vorsitzender des Oberkommandos der Freiwilligen Feuerwehr von Wesermünde, Hinrich Stindt, nachdem er von Oberbürgermeister Dr. Walter Delius nicht bestätigt wurde, seinen Rücktritt erklärte. Die neuen Führer mußten im nationalsozialistischen Sinne handeln. Die Feuerwehrkameraden konnten ihre Führer nicht mehr selber wählen.


Zur damaligen Zeit bestand die Feuerwehr Bremerhaven aus 43 Feuerwehrbeamten, einen Direktor, einem Brandmeister, einen Obertelegrafenmeister, 8 Oberfeuerwehrleuten und 32 Feuerwehrleuten. Der Feuerwehr Wesermünde gehörten 23 Angestellte an, wobei im Tagesdienst der Oberbrandmeister Arwed Behrens die Führung hatte. Weiter bestand die Wesermünder Feuerwehr aus einem Brandmeister, einem Löschmeister, zwei Oberfeuerwehrmänner und fünf Feuerwehrmännern.


Erwähnenswertes aus der Vorkriegs- und Kriegszeit

  • In den Vorkriegsjahren standen der Berufsfeuerwehr Bremerhaven 3 Dampfprähme (Spritzendampfer) mit Feuerlöscheinrichtungen, gestellt vom Hafenbauamt Bremen zur Verfügung.
  • Gasspüren und Entgiften wurde im Ausbildungsplan der Feuerwehr aufgenommen.
  • Die Firma Schmidt und Koch rüstete das letzte Fahrzeug von der hochelastischen Vollgummibereifung auf Luftbereifung um.
  • Die Wesermünder planen eine neue Wache auf dem Neumarkt, ebenso die Leher in der Nähe des Flötenkiel mit einem Kostenaufwand von insgesamt 80.000 RM. Aus beiden Vorhaben wurde nichts.
  • Der Oberbürgermeister fordert alle Arbeiter, Angestellte und Beamte auf, in die SS oder SA einzutreten.
  • Wenn die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren zum Dienst oder Übung nicht erschienen, drohte unehrenhafter Ausschluss und Information der "geheimen Stadtpolizei", da es nahe lag, daß diese Männer den nationalen Geist noch nicht begriffen hatten.
  • FW-Mitglieder wurden durch das Wehrbereichskommmando vom Heeresdienst freigestellt.
  • Endlich erfolgte ab 1936 eine Normung der FW-Geräte und Fahrzeuge, denn im Reich gab es z.B. 12 verschiedene Schlauchweiten und etwa 25 andersartige Kupplungssysteme sowie ca. 200 von einander abweichende Hydrantenbauformen.
  • Vom Reichs- und Preußischen Minister des Inneren wurde der Sportdienst in der Freizeit für die Feuerlösch - Polizei angeordnet.
  • 1937 machte man sich Gedanken, ob bei einem eventuellen Luftangriff durch die auf den Etagen gelagerten Kohlenvorräte eine erhöhte Brandgefahr besteht.
  • Ebenfalls 1937 wurde bestimmt, daß die Farbe der Feuerlöschfahrzeuge dunkelgrün sein mußte.
  • Mit der Bekanntmachung vom November 1938 schuf man die Grundlage, die Feuerwehr in den damaligen "Apparat" der Schutzpolizei einzugliedern.

Hierzu der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei :

"Ich begrüße Euch in den Reihen der Polizei. Ich erwarte von Euch, dass Ihr nunmehr die Organisation in allen Teilen und die Leistungen der deutschen Feuerwehr auf allen Gebieten zur höchsten Stufe bringt."

Die Feuerschutzpolizei war eine technische Polizeitruppe.
Über diese Einordnung bestand jedoch bei der Feuerwehr keine Begeisterung.


63 Berufsfeuerwehrleute erhielten eine Ausbildung für den Sanitätsdienst.

Den Lehrgang führte Dr. Blohm vom DRK jeden Dienstag von
20:00 - 22:00 Uhr durch.

Krankenwagen Opel-Blitz ( dunkelgrün)
Aufschrift: Städt. Feuerlöschpolizei Wesermünde
mit Polizeikennzeichen

Der Fahrlehrer der Feuerwehr Steien führte die Fahrschulausbildung durch. Möglichst alle Bediensteten sollten die Kraft-fahrererlaubnis erlangen. Einbezogen werden auch die Bediensteten der Städt. Gas-/ Wasser- und Elektrizitätswerke.


Zur persönlichen Ausrüstung eines jeden Feuerwehrmannes beschaffte man Atemschutzmasken mit Filtern, desweiteren wurden Sauerstoff-Schutzgeräte (Kreislaufgeräte, Heeresatmer) gekauft. Auf der Hauptfeuerwache in der Barkhausenstraße wurde eine Atem- schutzwerkstatt eingerichtet.

Der Heeresatmer war ein Sauerstoff-Schutzgerät, das seine Träger für die Dauer einer Stunde unabhängig von der ihm umgebenden Luft machte und ihn mit dem zum Atem notwendigen Sauerstoff versorgte.


Über Ereignisse in der sogenannten " Kristallnacht" ( 10. Nov. 1938 ) finden sich keine Eintragungen im Wachbuch der Feuerwehr. Die Wesermünder Feuerwehr schützte beim Brand der Synagoge die angrenzenden Gebäude. Bei zwei weiteren Bränden kamen sie zum Einsatz, bei dem Viehhändler Siegfried Seligmann an der Schiffdorfer Chaussee 11 und bei Dr. Goldmann, An der Mühle 1. Die Berufsfeuerwehr war aber nur im Einsatz, weil nichtjüdische Mieter im Haus und einige Nazi-Größen nebenan wohnten.

1939 hatte Bremerhaven 27.000 Einwohner und die Feuerwehrmänner sind jetzt Polizeibeamte der Feuerschutzpolizei. Nach einem Runderlaß des Reichsführer der SS und Chefs der deutschen Polizei werden Sonderbrandschauen bei kunsthistorisch wertvollen Bauwerken durchgeführt, gleichzeitig wird der Feuerschutz in rund 50 kriegs- und lebenswichtigen Betrieben überprüft. Zum gleichen Zeitpunkt wurde die Eingliederung der bremischen Stadt Bremerhaven in die preußische Stadt " WESERMÜNDE" verfügt. Die neue deutsche Großstadt "WESERMÜNDE" zählt jetzt 112 831 Einwohner.

1940 wurden die Kreisfeuerwehrverbände und Vereine der Freiwilligen Feuerwehr aufgelöst und als Hilfspolizeitruppe neu aufgestellt. Die Spitzen des Kreisfeuerwehrverbandes Wesermünde, der Kreisfeuerwehrführer Richard John, Hauptbrandmeister August Grau, Oberbrandmeister Hans Scheppelmann und Wehrführer Fegebank, wurden von ihren Ämtern abberufen. Die Leitung der vereinten Kräfte der Feuerschutzpolizei übertrug man dem Major Drühmel der Feuerschutzpolizei und Direktor der Bremerhavener Feuerwehr. Zur Seite standen ihm der Bezirksleutnant der Feuerschutzpolizei Behrens (später Chef der Berufsfeuerwehr Kassel), Hauptleute Steiln und Kohmeyer.


Die Stärke der Berufsfeuerwehr in diesen Jahren, betrug fast grund-sätzlich immer nur 65 Mann als IST-Stärke, notwendig waren aber 88 Feuerwehrleute.

Der Dienst wurde im 24-Stunden-Wechsel durchgeführt. Damit waren 2 Wachschichten notwendig. Durch Personalmangel blieben die Wachen 3 und 4 unbesetzt. (Wache Auestraße und Wache Columbusbahnhof.)

Die Theaterwache wurde in der Freizeit gegen Bezahlung geleistet.

Sehr intensiv wurde im Jahr 1940 der Vorbeugende Brandschutz betrieben. Weiter Schwerpunkt war z.B. der Schutz der deutschen Ernte.


Brand des Schnelldampfers " Bremen " an der Columbus-Pier am 16. März 1941.

Brandbericht über den Verlauf des Großfeuers auf dem Schnelldampfer "Bremen"


Die Einrichtungen der Feuerschutzpolizei und der FF wurden 1941 in den "SICHERHEITS - und HILFSDIENST" (SHD) zusammengefasst. Zusätzlich wurde noch eine Luftschutzpolizei aufgestellt, die über 6 große, grau angestrichene Löschgruppenfahrzeuge verfügte. Selbständige und vom Wehrdienst freigestellte, mussten in diesen Einheiten dienen.

Ein großer Teil der Freiwilligen Feuerwehrkameraden und später auch der Berufsfeuerwehrkollegen wurden zur Wehrmacht eingezogen und die Feuerschutzpolizei mußte mit Ergänzungskräften aufgefüllt werden. Für die neuen Einheiten der Luftschutzpolizei und für die neuen Kräfte der Feuerschutzpolizei war eine ständige Ausbildung notwendig.

Ca. 40 Hitlerjungen waren es in Geestemünde, die sich im HJ-Streifendienst einer besonderen Aufgabe widmeten. Ein großer Teil der Berufsfeuerwehrleute standen als Soldaten an der Front und so sah es die Hitler-Jugend als Aufgabe an, einzuspringen und durch eingehende Schulung die Männer der Brandbekämpfung nach bestem Können zu ersetzen.

Es gibt reichseinheitliche Besoldung und Dienstgradabzeichen. Die Feuerschutzpolizei hat einheitlich die grüne Uniform erhalten. Die Straßenfeuermelder bekamen einen dunkelblauen Anstrich.

Am 28.06.1942 wurde die 2. Feuerschutz-Entgiftungsbereitschaft Wesermünde mit 75 Mann zum Güterbahnhof Bremen geordert. Nach einem Angriff feindlicher Flugzeuge brannten dort die Kohlenlager und Schuppen.

Zum Auffüllen der Feuerschutzpolizei werden 126 Angehörige der HJ-Schnellkommandos ausgebildet. Zusätzlich 10 Reichsbahner als Maschinisten und 533 Werkluftschutzmänner.


Am 18. September 1944 führten 200 britische Bomber einen besonders schweren Luftangriff auf Wesermünde.

Schreckenbilanz: 618 Tote, 1193 Verletzte, 30 000 Obdachlose und die Zerstörung von 56,5 % der Gesamtbebauung Wesermündes. Ein Teil der Feuerwehrleute saß zum Zeitpunkt des Angriffes in selbsterbauten Bunkern auf den Wachen, der übrige Teil lag zwischen den Schienen der Reichsbahn vor der Wache um dort Schutz zu finden. In der Keilstraße bildeten Feuerwehrleute eine Wasserbrücke, so daß die Menschen diesen Wassertunnel durchlaufen konnten. Am schlimmsten war es für die Kräfte an den Einsatzstellen. Hier war die Hitze so stark, daß die Farbe der Fahrzeuge anfing sich zu wellen.

Der Krankentransport wurde im März 1944 für Wesermünde vom DRK übernommen.


Von den Mitgliedern der FF sind fast alle zum Front-dienst eingezogen. Die Reihen wurden meistens mit der Hitler - Jugend - Feuerwehr und Notdienst-verpflichteten aufgefüllt. Noch im Januar 1945 wurden 40 Männer zum Kampfeinsatz zum Pol.-Wachbatallion eingezogen.

Der Aufbau von Frauenlöschgruppen wurde beschleunigt, um die Lücke aufzufüllen. Im Straßenbahn - Depot Wursterstraße und in der Fritz - Husmann - Schule waren Frauen stationiert.

Erst im Juni 1945 wurden die letzten Frauen offiziell von ihrer Zwangsverpflichtung entbunden.


Die Fahrzeuge der Luftschutzpolizei waren in der

1. Turnhalle der Körnerschule
2. Halle X im Fischereihafen
3. Konsumgebäude in der Georg-Seebeck-Straße
4. Stadthalle in der Deichstraße untergebracht.

Die Besatzungen bildeten zum Schluß nur noch ältere Männer über 60 Jahre. Die Berufstätigen gingen tagsüber ihre Arbeit in rüstungswichtigen Betrieben nach. Nachts war Bereitschaftsdienst in den Unterkünften.


Mit dem Beginn der Waffenruhe in Nordwestdeutschland am 5. Mai 1945 endete ein bedeutungsvolles, zugleich trauriges Kapitel der Geschichte der Feuerwehr, die in den vergangenen 12 Jahren an vielen Stellen ihren Charakter und ihr Aussehen verändert hatte.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven