Feuerlöschwesen in Geestendorf


Das Bild des Ortes Geestendorf in alter Zeit war geprägt von reith- oder strohgedeckten Fachwerkhäusern und von hölzernen Bauwerken verschiedener Art. Neben der alten Kirche, auf der höchsten Erhebung des Ortes, gab es nur wenige, völlig aus Stein erstellte Bauten. Für die Einwohner des Bauernortes gab es daher kaum einen größeren Schrecken, als das Ertönen des Feuerhorns.


Nach dem großen Brand, am 17. April 1818, mußten in jedem Hause ein lederner Wassereimer sowie ein 12 bis 14 Fuß langer Feuerhaken vorhanden sein. Zur Brandbekämpfung von Bränden waren von jeher alle Erwachsenen männlichen Personen verpflichtet. Die Handwerker hatten zum Teil auch ihre Werkzeuge mitzubringen, die Fuhrwerksbesitzer mußten ihre Gespanne stellen. Die Leitung der Lösch- und Bergungsmaßnahmen lag in den Händen der Gemeindevorstände.


  • Der hannoversche Minister von Bremer berichtete 1825, dass Geestendorf arm sei und die Einwohner " ohne Handelskenntnisse, Kraft und Unternehmensgeist " seien.
  • Bis 1840 bezeichnete man den alten Bauernort Geestendorf als wirtschaftlich unbedeutend. Die Einwohner lebten von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang.
  • Eine Änderung dieser Verhältnisse trat erst ein, als nach der Genehmigung des Königs von Hannover vom 10. Juni 1845 ernsthaft " mit der Ausführung eines Schiffsanlegeplatzes an der Geestemündung und zu der Ansetzung von Anbauern auf der sogenannten Nurthe geschritten werden sollte. Dieser Tag gilt als der Geburtstag des zweiten Hafenortes an der Unterweser nahe der Geestemündung.
  • Die Neuanlage erhielt am 26. Juni 1847 den Namen " Geestemünde". Auf ehemals Geestendorfer Bauernland, im Jahre 1827 vom hannoverschen Staat erworben, entwickelte sich nun der neue Hafenort.
  • Da im Jahre 1848 weder in Geestendorf noch in Geestemünde eine organisierte und entsprechend gut ausgebildete Feuerlöschmannschaft bestand, ordnete die Landdrostei in Stade die Aufstellung von " Berger-Corps" an. Diese Bergungsmannschaften sollten mit Steigerleitern und Feuerhaken ausgestattet werden und bei Bränden in erster Linie Menschen, Vieh und Inventarien retten. Leider ist über diese " Berger-Corps " nichts überliefert worden.
  • Am 24. Juni 1858 wurde die erste "Feuerlöschungsordnung" für die Gemeinde Geestendorf / Geestemünde herausgegeben.
  • Erst Mitte des Jahres 1864 wurde in Geestendorf eine freiwillige Bürger-Feuerwehr gegründet, die zunächst aus einer Mannschaft von etwa 40 Personen bestand. Nach den Statuten des " Bürger-Feuerwehr-Corps" zu Geestendorf " vom 04. November 1864 hatten sich die freiwillig beigetretenen Mitglieder für jeweils ein Jahr zu verpflichten und an den vierteljährlich stattfindenden Übungen teilzunehmen.
  • Während des Dienste, so forderten die Statuten, war den Feuerwehrleuten das Tabackrauchen, das Lärmen und das Singen streng verboten!. Die Gemeinde stellte neben der Löschausrüstung den Mitgliedern der Wehr eine Uniform, die aus grauleinenem Kittel, Riemen und Hut bestand.
  • Leiter des Bürger-Feuerwehr-Corps Geestendorf war der Kaufmann Carl Strack.
  • Die Geestendorfer Bürger-Feuerwehr löste sich bereits am 26. April 1875 wieder auf. Die Bedienung der Spritzen blieb einigen vom Gemeinderat bestellten Einwohnern überlassen.
  • Am 07. Mai 1888 wurde über ein preußisches Gesetz der Zusammenschluß des alten Bauernortes Geestendorf und des jungen Hafenortes Geestemünde verfügt. Der neue Ort bekam den Namen " Geestemünde " und hatte 15426 Einwohner. Das Gesetz trat am 1. April 1889 in Kraft.
  • Die bestehenden Feuerlöscheinrichtungen erwiesen sich als unzureichend. Vom Hauptmann A. Stricker des Berger-Corps Geestemünde wurde der Antrag an die Gemeindeverwaltung gestellt, entweder das Corps zu verstärken oder eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen.
  • Im Juli 1989 wurde der Beschluß gefaßt, eine "Freiwillige Turnerfeuerwehr" zu gründen.
  • Mit dem 1. Januar 1891 sollte das alte Berger-Corps aufgelöst werden und die neue Turnerfeuerwehr in Funktion treten. Aber schon am 29. Dezember 1890 erhielt die Wehr ihre Feuertaufe.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven