1896 - Haus der Witwe Kroymann ausgebrannt

SIEBEN PERSONEN AUS DEM BRENNENDEN HAUS GERETTET

In der Nacht von Montag auf Dienstag, kurz vor 2 Uhr wurden die Anwohner der Fährstraße plötzlich durch den Ruf: "Feuer !" aus dem Schlafe aufgeschreckt. Es brannte in dem an der Ecke der Fährstraße und dem Markt (heute: Theodor-Heuss-Platz) belegenen Hause der Witwe Kroymann, und zwar stand, als, als Erste auf der Brandstätte, einige Nachbarn in das Haus eindrangen, die vom Parterre in die oberen Etagen führende Treppe in Flammen. Das Feuer breitete sich von hier schnell über den ersten Stock aus, und zwar zunächst über die nach der Fährstraße zu belegenen Räumlichkeiten.

Am ein Flüchten der Bewohner aus dieser und der darüberliegenden zweiten Etage über die Treppe des Hauses war nicht mehr zu denken, die Flammen drängten die auf's höchste Erschreckten von einem Zimmer in's andere, und es wäre wohl kaum ohne Verlust von Menschenleben abgegangen, wenn nicht tatkräftig von den Nachbarn und von einigen mittlerweile hinzugekommenen Leuten eingeschritten worden wäre. Dabei war es ein Glück zu nennen, daß sich an dem im Umbau befindlichen Wiese'schen Hause, dem brennenden Hause schräg gegenüber und beim Neubau von Löhr's Hotel lange Leitern befanden, welche schleunigst herbeigeschleppt wurden, eine dritte Leiter lieh Herr Kupferschmiedemeister Fischer sofort her. Mit diesen drei großen Leitern gelangte man dann in den ersten und zweiten Stock des brennenden Hauses und rettete daraus zunächst drei Personen, welche man nach einander an einem festen Tau auf die Straße hinabließ. Nur mit dem Notdürftigsten bekleidet und teils mit bloßen Füßen, wurden die von Schreck fast gelähmten in benachbarte Häuser gebracht. Mittlerweile hatten die Flammen immer weiter um sich gegriffen und noch vier Bewohner der Etagen in die äußersten, der Marktseite des Hauses zu gelegenen Zimmer gedrängt, wo sie aus den Fenstern heraus nach Hilfe riefen.

Nunmehr erschien auch die sofort alarmierte Feuerwehr mit ihren Gerätschaften auf der Brandstelle, und wurden jetzt noch vier Personen von der Marktseite des Hauses her durch die Fenster gerettet; ein Kind und eine ältere Dame wurden von oben herabgetragen, während eine jüngere Dame und ein Herr ohne Beihilfe auf der Leiter herabstiegen. Die Flammen hatten sich nunmehr über das ganze obere Haus ausgebreitet und auch schon den Dachstuhl des nebenanliegenden Hauses des Herrn Baars ergriffen, während ein wahrer Regen von brennenden und glimmenden Holz-, Torf- und Kohlenstücken auch die weiter die Fährstraße hinauf liegenden Häuser gefährdete, jedoch dies glücklicherweise nicht entzündete. Nachdem die Feuerwehr einmal zur Stelle war und tatkräftig eingegriffen hatte, war man bald des Feuers Herr, so daß nun das Kroymann`sche Haus, dieses aber von innen fast ganz ausbrannte und ein Teil des Dachstuhles des Baars`schen Hauses zerstört wurde. Das letztere Haus ist dazu in allen seinen Stockwerken durch Wasser total ruiniert; wie ein Sturzbach lief das Wasser die Treppen herunter, drang allenthalben (allerwegs) durch die Decken und stand schließlich unten im Hause mehrere Zoll hoch.

Um 5 Uhr Morgens endlich war jede Gefahr beseitigt, und die Spritzen begannen, abzulöschen. Obwohl beide Dampfspritzen zur Stelle waren, trat doch nur eine derselben in Tätigkeit.


Erste Zentrale Feuerwache in der Schifferstraße ( später Gelände der Post ) Bild um 1900 ganz links stehte die Dampfspritze, ganz rechts steht der Feldwebel Reinke

Quelle: Zeitungsbericht von 1896 & Archiv Feuerwehr Bremerhaven