1913 - Großfeuer auf der Tecklenborg Werft

Brandbericht der Berufsfeuerwehr Bremerhaven

Mächtige Rauchwolken, begleitet von einem wahren Funkenregen, der sich über den nördlichen Teil Bremerhavens und das Freigebiet des Nachbarortes Lehe ergoß, kündete am Montag, den 16. Juni, abends kurz nach 10 Uhr, den Ausbruch eines Großfeuers an. Es brannte auf Tecklenborgs Werft in der Nachbarstadt Geestemünde, und zwar war dort aus bisher noch nicht ermittelter Ursache in dem bedeutenden, mit wertvollen größtenteils ausländischen Edelhölzern angefüllten Holzlager ein Feuer zum Ausbruch gekommen, das bald auf die daneben liegende Sägerei übergriff.

Das Feuer war von dem Wächter der Wach- und Schließgesellschaft bemerkt worden; wenige Minuten darauf schlugen die Flammen zum Dache hinaus. Der nordwestliche Teil der Werft glich bald einem Flammenmeer, die Ausdehnung der Brandstelle mochte gegen 250 m in der Länge und 60 m in der Tiefe betragen.

Der Brand wurde zuerst von der eigenen Feuerwehr der Werft, die mit vorzüglichen Feuerlöscheinrichtungen ausgerüstet ist, mit 11 Schlauchleitungen bekämpft.

Wirksam unterstützt wurde sie von der freiwilligen Feuerwehr Geestemünde, die ihrerseits mit 5 Schlauchleitungen von 1 Dampfspritze und Hydranten eingriff. Ferner leistete bald der Löschdampfer " Sirius " und eine mit Löscheinrichtungen versehene Dampfschute der Königlichen Wasserbauinspektion Geestemünde mit 6 Schlauchleitungen Hilfe, die von der Geestemünder Wehr vorgenommen wurden.

Auch die Freiwillige Feuerwehr Lehe entsandte in anerkennenswerter Weise ein Kommando.

Unsere Bremerhavener Berufsfeuerwehr wurde infolge dieses Großfeuers kurz nach 10 Uhr von verschiedenen Feuermeldern aus alarmiert, weil man entweder wegen der gewaltigen Rauchentwicklung glaubte, das Feuer befände sich auf der Bremerhavener Seite des beide Städte trennenden Geesteflusses, oder weil man mit Recht eine Gefährdung von Gebäuden auf Bremerhavener Gebiet durch Flugfeuer befürchtete.


Sofortige Hilfe nach Geestemünde konnte nicht geleistet werden, da erst das Ersuchen um eine solche von einer Geestemünder Behörde und die Genehmigung hierzu vorliegen muß.


Wir beschränkten uns daher zunächst auf den Schutz Bremerhavens gegen Flugfeuer und nahmen auf Rickmers Werft 2 Schlauchleitungen und auf dem Dach einer naheliegenden größeren Werkstatt eine weitere Schlauchleitung vor. Ferner wurden auf gefährdete Häuser weiter nach der Stadt zu Feuerleute mit kleinem Löschgerät beordert, in anderen Häusern übernahmen es die Hausbesitzer herunterfallende Funken zu löschen. Außerdem erhielt die Feuerwache auf der in der Windrichtung liegenden großen " Ausstellung für Handel, Industrie und Schiffahrt an der Unterweser " Auftrag, die nötigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen; ferner wurden die Polizeiwachen benachrichtigt und ersucht, im Hafengebiet auf den Funkenflug zu achten.

Etwa 10 Minuten nach 11 Uhr wurde von dem Landrat in Geestemünde das Ersuchen um Hilfeleistung gestellt und diese von dem gerade anwesenden Vorsitzer der Brandlöschkommission unverzüglich genehmigt.


In wenigen Minuten waren wir auf der anderen Seite und unterstützten in kurzer Zeit die Löscharbeiten der Werft und der Geestemünder Feuerwehr durch Vornahme von 5 84 m/m und 2 62 m/m Schlauchleitungen, die von einem unserer Spritzendampfer und einer Dampfspritze hergeleitet worden.

Als ein glücklicher Zufall ist es zu bezeichnen, daß gerade einer unserer Spritzendampfer in der Geeste lag - er sollte den anderen Tag ins Tecklenborg`sche Dock - und auf die Alarmsignale in unserem Hafengebiet von selbst nach der Brandstelle verholt hatte. Den vereinten Bemühungen der 3 Wehren gelang es bald, die Macht des Feuers zu brechen und jede weitere Gefahr zu beseitigen. Ein zweiter nach der Brandstelle beorderter Bremerhavener Spritzendampfer brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu treten.

Der Schaden dürfte sich in seiner Gesamtheit auf etwa 1/2 Million Mark belaufen. Der Betrieb auf der Werft litt durch das Feuer keine Unterbrechung. Die Werkstätten wurden von Feuer nicht berührt, dieser Verdienst muß der mit großer Umsicht arbeitenden Werftfeuerwehr zugesprochen werden.

Im ganzen waren 29 Schlauchleitungen in Tätigkeit.

Quelle: Archiv Feuerwehr Bremerhaven