1934 - Das Sägewerk Chr. Külken durch Großfeuer

BETRIEBSGEBÄUDE UND GROSSE HOLZLAGER VERBRANNT - SCHADEN ETWA 700 000 BIS 800 000 MARK

Von einem verheerenden Großfeuer wurde gestern Nachmittag (23.05.) der Stadtteil Geestemünde heimgesucht. In dem Säge- und Hobelwerk Christian Külken, Am Holzhafen 1, der größte Holzimport- und Holzverarbeitungsfirma der Unterweserorte, in der zuletzt 100 Personen beschäftigt wurden, brach ein Schadenfeuer aus, das sich mit unglaublicher Schnelligkeit ausdehnte und fast den gesamten Betrieb in Schutt und Asche legte. Die großen Werkanlagen , das Maschinenhaus, die bedeutenden Vorräte an Holz und sonstigen Materialien, das gesamte Inventar, Arbeitsgerät usw. sind ein Opfer der Flammen geworden. Lediglich das Kontorgebäude konnte gerettet werden und ein in der Nähe befindliches Lager von Edelhölzern. Sonst bietet der einst große Betrieb ein einziges Bild der Verwüstung.

Große Gefahr bestand für die anliegenden Wohngebäude und vor allem für das Städtische E-Werk an der Rheinstraße, das bei der ungünstigen Windrichtung in außerordentlichem Maße den Flammen ausgesetzt war. Es ist eine hervorragende Leistung der vereinigten Unterweser-Feuerwehren und ihres Leiters, Branddirektor Drühmel, daß es gelang, das Städtische Elektrizitätswerk an der Rheinstraße, zu dem das Feuer vorgedrungen war, zu halten. Im anderen Falle hätte für den ganzen angrenzenden Stadtteil große Gefahr bestanden. Der Kühlturm und ein Schuppen des E-Werkes, in dem sich ein Lager der NS.-Volkswohlfahrt befand, sind freilich von dem rasenden Element vernichtet worden. Die Hauptgebäude jedoch haben die braven Feuerwehrmänner gerettet. Die Anlagen der Firma Chr. Külken umfaßten einen Komplex von etwa 16 000 m². Den Mittelpunkt bildete das große aus Backsteinen errichtete Säge- und Hobelwerk, in dem sich Hobel- und Kehlmaschinen, Rundstab- und Tischlereimaschinen, Sägegatter und Kreisblocksägen, sowie zahlreiche Hilfsmaschinen befanden. In der Nähe stand der ebenfalls massive Maschinenschuppen. Dahinter lagen drei große Lagerschuppen, in denen große Holzvorräte aufbewahrt wurden. Das Stallgebäude, in dem für gewöhnlich die Pferde und Wagen der Firma stehen, war zum Glück zur Zeit des Brandausbruches leer.

Das Werk führte Holz in großen Mengen ein, verarbeitete es und belieferte Abnehmer in ganz Nordwestdeutschland bis weit nach Mitteldeutschland hinein. Eine Türen- und Kistenfabrik war dem Werk angegliedert.


  • Um 14.51 Uhr traf bei der Feuerwache in Geestemünde telephonisch die Mitteilung von dem Brande in der Külkenschen Sägerei ein, und sofort rückte die Motorspritze zur Brandstelle aus.
  • Um 14.52 Uhr zeigte der Feuermelder Industriestraße den Brand an.
  • Um 14.53 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Geestemünde alarmiert, die ebenfalls mit der Motorspritze ausrückte.
  • Um 14.54 Uhr lief bei der Bremerhavener Feuerwehr die Meldung von dem Großfeuer in Wesermünde ein, worauf gleichfalls der Löschzug mit Motorspritze und Leiter zum Brandplatz eilte.
  • Um 15.06 Uhr traf Branddirektor Drühmel auf der Brandstelle ein und veranlaßte angesichts der Sachlage die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehren von Lehe, Wulsdorf und Schiffdorferdamm.

Der Kampf mit dem Flammen

Als der Geestemünder Löschzug um 14.51 Uhr zur Brandstelle des Külkenschen Sägereibetriebes ausrückte, bemerkte Oberfeuerwehrmann Behrens die mächtig sich über dem Häusermeer türmenden Rauchwolken und beauftragte einen Polizeibeamten Großfeuer zu melden. Beim Eintreffen des Löschzuges an der Külkenschen Sägerei, ging die Feuerwehr zunächst daran, das bedrohte Kontorgebäude zu retten. Schnell wurde eine Schlauchleitung vorgenommen, und nach und nach wurden weitere Leitungen eingesetzt. Die Wasserverhältnisse waren die denkbar besten, denn der Holzhafen bot genügend "Stoff ". Inzwischen rückten von der Rheinstraße die übrigen alarmierten Wehren an, die Bremerhavener und die Leher Wehr, ferner die aus Wulsdorf und Schiffdorferdamm. Unter Leitung von Brandmeister Hünersen wurden hier in aufopfernder Weise alle Kräfte eingesetzt, um dem Ansturm des Elements Einhalt zu gebieten. Die Flammen hatten sich mittlerweile vom Sägewerk aus über die sämtlichen Holzlager ausgedehnt, die eine mühelose Beute wurden. Der Wind trieb unglücklicherweise die gierig züngelnden Flammen in Richtung Rheinstraße und damit auf das Elektrizitätswerk zu.


Der hölzerne Kühlturm des E-Werkes wurde von den Flammen ergriffen und brannte fast herunter, auch eine frühere Autogarage, die zur Hälfte als Lagerraum vom Werk benutzt und zur anderen Hälfte der NS-Volkswohlfahrt zur Verfügung gestellt war, wurde ein Raub der Flammen. Hier lagerten etwa 300 Paar neue Männerschuhe, von denen etwa 300 Paar fortgeschafft werden konnten. Verbrannt sind durch Spenden zusammengekommene alte Bettstellen, Kinderwagen, alte Kleidungsstücke. Vier Meter von diesen niedergebrannten Gebäuden entfernt, erhebt sich der Komplex des E-Werkes mit seinen wertvollen Anlagen. Diese zu verteidigen galt es die ganze Energie des hier eingesetzten Gros der Wehren. Schon waren die Fensterscheiben infolge der fürchterlichen Glut gesprungen, schon sengten am Dachfirst die Holzteile, denn der Wind trieb die Flamme gegen die Gebäude, aber das Rettungswerk gelang. Das E-Werk blieb unversehrt, und unabsehbarer Schaden konnte so verhütet werden. Dank und Anerkennung gebührt neben den Feuerwehrmännern den sonstigen freiwilligen Helfern, die sich uneigennützig zur Verfügung gestellt hatten.


Die freiwilligen Helfer

Außer den etwa 100 Mann der Feuerwehren beteiligten sich an den Löscharbeiten:

100 Mann SA. und Marine-SA., die von einer Beerdigung auf dem Leher Friedhof kam, 150 Mann vom Freiwilligen Arbeitsdienst, die geschlossen auf der Brandstelle eintrafen, außerdem Sanitäter und sonst hilfsbereit einspringende Volksgenossen. Ihnen alle und ihrem kameradschaftlichen und uneigennützigen Eingreifen und Helfen ist es mit zu danken, daß schlimmerer Schaden abgewendet wurde. Denn nicht nur das E-Werk war aufs höchste gefährdet, sondern auch ein in der Nähe befindliches Schlachthaus, das bereits Feuer gefangen hatte, sowie zwei weitere Wohnhäuser, ferner ein großes Wohngebäude in der Hohenstaufenstraße. Die Einwohner dieser Häuser hatten in begreiflicher Sorge und Aufregung bereits damit begonnen, ihre Wohnungen zu räumen, bei der fürchterlichen Hitze, die das Flammenmeer des Holzplatzes entwickelte, mußte jeden Augenblick mit dem Aufkommen von weiteren Brandherden gerechnet werden.

Daß schlimmeres Unheil hintangehalten wurde, darf als ein Beweis für die Schlagfertigkeit und Leistungsfähigkeit, für die ausgezeichnete Disziplin unserer Wehren ehrenvoll erwähnt werden.



Zur Niederringung des Brandes hatten die Wehren vier große und vier kleine Motorspritzen eingesetzt, außerdem wurden fünf Hydranten in Benutzung genommen, Zwei große Motorspritzen standen an der Holzstraße, zwei große und drei kleine Motorspritzen hatten die Aufgabe , das E-Werk und seine Umgebung zu schützen, eine kleine Motorspritze stand beim Kontorgebäude. Drei Stunden hindurch waren diese Löschkräfte beschäftigt das Flammenmeer einzudämmen. Aus 35 Rohren wurden ununterbrochen gewaltige Wassermassen in die Flammen geschleudert. Jedes Rohr hat in der Minute etwa 300 Liter Wasser gegeben. Insgesamt sind also mehr als 1,3 Millionen Liter Wasser während der Hauptkampfzeit zur Beseitigung und Eindämmung des Brandes verbraucht worden. Um 17.45 Uhr war es endlich so weit, daß ein weiteres Umsichgreifen des Feuers unmöglich gemacht war, konnte ein Teil der erschöpften Wehrmänner zurückgezogen und mit dem Ablöschen begonnen werden. Unermüdlich wurde aus zahlreichen Rohren Wasser gegeben, zischend prasselten die Strahlen in die Glut, Dampf und Rauch und Qualm hervorrufend. Ab 19 Uhr wurden die Vorbereitungen für die Nacht getroffen. Eine starke Brandwache und zwei Motorspritzen blieben am Brandplatz zurück. Schlimmere Unfälle hat es bei den Rettungsmannschaften nicht gegeben, bis auf einen Freiwilligen Feuerwehrmann, der sich eine leichte Verletzung zuzog.


Kleine Ursachen ergaben den Riesenbrand

Die einzigen, die den Brandherd in dem Augenblick sahen, als das Feuer entstand oder gerade entstanden waren, sind eine Frau und ein zehnjähriger Junge, Angehörige eines Betriebsmitgliedes, die im Sägewerk Hobelspäne für die Haushaltsfeuerung holen wollten. Im Transmissionskeller sahen sie plötzlich in der Nähe der Hobelmaschine eine Stichflamme aufzucken. Dann stand mit einem Schlage der ganze Keller in Flammen, so daß die Leute sich nur in höchster Eile retten konnten. Mit ungeheurer Geschwindigkeit griff das Feuer nach allen Seiten um sich. Es ist nach den bisherigen Feststellung der Kriminalpolizei mit einem Verschulden dritter Personen nicht zu rechnen. Es ist als Brandursache mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß - wie schon bei einem kleinen Brande vor drei Wochen - eine heißgelaufene Welle und von der Welle abspritzendes Öl ein paar winzige Sägespäne entzündet haben, und daß so aus kleiner Ursache dieser Riesenbrand entstand.


Die Katastrophe hatte natürlich die Bevölkerung in hellen Scharen zur Brandstelle eilen lassen. Tausende umsäumten die Zugangsstraßen. Um sich von dem Umfange des Feuers und den Rettungsarbeiten zu überzeugen, waren auch Oberbürgermeister Lorenzen und Oberbürgermeister Dr. Delius an der Brandstelle erschienen. Die Polizei nahm in größerem Umfange die gebotenen Absperrungen vor; bis spät in die Nacht war der Brandplatz von Neugierigen umlagert.


Ein Unglück kommt selten allein

Während man in Geestemünde in angestrengtester Arbeit des Feuers Herr zu werden suchte, traf um 15.50 Uhr aus Schiffdorferdamm die Meldung von einem Waldbrand in der Sohr-Heide ein. Hierauf wurde vom Külkenschen Brandplatze die Freiwillige Feuerwehr von Schiffdorferdamm herausgezogen und mit der Bekämpfung des Waldbrandes beauftragt, ferner der 6000 Liter fassende Sprengwagen, der jedoch nicht in Tätigkeit zu treten brauchte. Auch eine Abteilung des freiwilligen Arbeitsdienstes wurde eingesetzt. Der Waldbrand ist offenbar durch Funkenflug entstanden ( man hat an der Brandstelle verkohlte Holz- und Pappstücke gefunden); etwa 20 Morgen junger Tannenschonung wurde vernichtet.


Um 19.40 Uhr wurde schließlich noch Großfeuer aus Weddewarden gemeldet, wo das mit Stroh gedeckte Haus des Schmiedemeisters Oltmanns in Flammen stand. Die am Brandplatz in Geestemünde tätige Leher Freiwillige Feuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Wulsdorf, die zwecks Ablösung heimfahren sollten, um für die Nacht die Brandwache zu übernehmen, ferner die Leherheider Wehr, haben in Gemeinschaft mit der Weddewardener Feuerwehr und einem Bremerhavener Fahrzeug den Brand gelöscht und ein weiteres Umsichgreifen des Feuers. -- eine in der Nähe befindliche strohgedeckte Scheune war gefährdet -- zu verhindern vermocht. Jedenfalls eine tüchtige Leistung der beteiligten Wehren.

Quelle: NZ vom 24.05.1934 & Archiv Feuerwehr Bremerhaven