1941 - Großfeuer auf dem Lloyd-Schnelldampfer " Bremen "

Bei Ausbruch des Krieges befand sich der Schnelldampfer Bremen, von New York kommend, vor Neufundland. Das Schiff war grau getüncht und nachts abgedunkelt gefahren, um nicht gesehen zu werden. Unter dem Kommando von Kommodore Adolf Ahrens gelang es der Mannschaft unbemerkt den russischen Hafen Murmansk anzulaufen, wo es am 6. September 1939 eintraf. Die meisten Besatzungsmitglieder fuhren auf dem Landweg in die Heimat.

Das Lloyd-Schiff verließ den sowjetischen Hafen am 10. Dezember mit dem Ziel Bremerhaven. Wieder gelang das Husarenstück, den britischen Sperrgürtel im Nordmeer und der Nordsee zu durchbrechen. Am 13. Dezember 1939 war die "Bremen" wieder in Bremerhaven. Hier wurde sie in den Dienst der Kriegsmarine gestellt, die es zum Wohnschiff mit Liegeplatz Bremerhaven umrüstete. Der Plan, die "Bremen" als Transporter beim Unternehmen "Seelöwe" einzusetzen, wurde nicht realisiert.

Am 16. März 1941 bemerkte der Zweite Offizier ein Feuer im sogenannten Jagdzimmer, in dem Matratzen eingelagert waren. Dilettantische Löschversuche der Besatzung blieben wirkungslos; die Flammen griffen schnell auf die benachbarten Räume über. Großalarm wurde ausgelöst. Die Wesermünder Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen bereits ein über mehrere Decks lichterloh brennendes Schiff vor. Rauch, Hitze und explodierender Flakmunition verhinderte die Brandbekämpfung im Schiffsinneren. Vorrangig war die Rettung von 25 Besatzungsmitglieder auf dem Achterschiff, deren Fluchtweg durch die Flammen abgeschnitten war. Sie wurden mit einer Drehleiter abgeborgen. Alle Versuche, die "Bremen" vor der Vernichtung zu bewahren, blieben erfolglos, obwohl man zusätzlich die Feuerwehren aus Cuxhaven, Bremen und Hamburg zur Unterstützung alarmierte. Erst am 18. März erloschen die Flammen, nachdem die oberen Decks total ausgebrannt und der Dampfer auf Grund gesetzt war.

Angeblich soll ein 17jähriger Schiffsjunge den Brand gelegt haben, um sich für eine Ohrfeige zu rächen. Hierfür wurde er abgeurteilt.


Abschrift des Originalberichtes vom 21. März 1941

Wesermünde, den 21. März 1941

B E R I C H T

über der Verlauf des Großfeuers auf dem Dampfer "Bremen" am 16., 17. und 18. 03. 1941

Um 17.30 Uhr lief die erste fernmündliche Feuermeldung vom Norddeutschen Lloyd auf der Hauptfeuerwache ein. Die zweite Meldung erfolgte durch Feuermelder des Columbusbahnhofs um 17.31 Uhr.

Es rückten sofort der erste Löschzug, die erste Löschgruppe des vierten Löschzuges und eine Kraftfahrleiter nach der Brandstelle ab. Bei dem Eintreffen des ersten Löschzuges um 17.43 Uhr war der Dampfer in der ganzen Länge bereits in Rauch eingehüllt. Auf allen Decks war eine sehr starke Verqualmung. Die Schiffsbesatzung hatte eine Anzahl schiffseigene Schlauchleitungen auf dem Vorderschiff von Land aus vorgenommen. Die Windrichtung war Nordwest in Stärke 4. Die Kraftfahrleiter mußte sofort nach Eintreffen zur Rettung von 25 Schiffsbesatzungsmitgliedern an dem Achterschiff eingesetzt werden, da diesen der Rückzugsweg völlig abgeschnitten war. Es wurde zunächst eine Löschgruppe auf dem Achterschiff und ein Löschzug auf dem Vorderschiff eingesetzt. In das Schiffsinnere konnten die Angriffstrupps wegen der großen Hitzeausstrahlung und der starken Rauchentwicklung nur noch etwa 30 m vordringen. Die Innenwände waren bereits sehr heiß. Ein Vordringen in die unteren Decks war gar nicht mehr möglich. Auch konnte auf dem Boots- sowie Sonnendeck nicht mehr vorgegangen werden. Es bestand weiter große Explosionsgefahr durch die auf dem Sonnendeck lagernde Flakmunition und die ebenfalls dort lagernden Benzinfässer. Alle noch verfügbaren Löschkräfte der Feuerschutz- und Entgiftungs-Abteilung ( F. und E.) wurden um 17.55 Uhr alarmiert. Es rückten daraufhin weiter aus:

Löschboote 1, 2 und 3
Löschzug 3, 5 und 6
2. Löschgruppe des Löschzuges 4
Kraftfahrleiter 20/2

Außerdem wurde von der Marine Löschhilfe angefordert. Es wurden 4 Kraftzugspritzen der Marine eingesetzt sowie 1 Schiebeleiter. Nachdem diese Löschkräfte alle eingesetzt waren und die Lage übersehen werden konnte, wurden von Cuxhaven und Bremen weitere Löschkräfte angefordert. Von der Kriegsmarine Cuxhaven und vom F.- und E.-Dienst Cuxhaven trafen um 19.00 Uhr je 1 Löschzug ein. Um 21.15 Uhr trafen von Bremen 5 Kraftfahrspritzen und 2 Kraftfahrleitern um 21.45 Uhr ein. Durch die örtliche Luftschutzleitung wurden über den Befehlshaber der Ordnungspolizei um 02.08 Uhr weitere 6 Kraftspritzen und 2 Kraftfahrleitern von Hamburg angefordert, die um 08.27 Uhr eintrafen. Die Bremer, sowohl als auch die Hamburger Kräfte, waren für die Ablösung der erschöpften örtlichen Kräfte vorgesehen. Insgesamt wurden 12 B-Rohre, 37 C-Rohre und 2 Wenderohre eingesetzt. Die ersten Explosionen durch die Flakmunition und die Benzinfässer traten um etwa 20.30 Uhr ein und dauerten etwa eine Stunde an. Während dieser Zeit mußten die Löscharbeiten wegen der großen Splittergefahr durch die Flakmunition unterbrochen werden. Mehrere Schlauchleitungen wurden durch Splitter durchlöchert. Auch wurden einige gefüllte Benzinfässer durch Splitter beschädigt, wo durch das Benzin auslief und große Stichflammen hervorrief. Die Löschboote, die seewärts längsseits lagen und in die Bullaugen Wasser gaben, mußten dort bald wieder verholen, weil einige Rettungsboote herabstürzten.

Die auswärtigen Wehren konnten zu folgenden Zeiten wieder abrücken:

Cuxhaven am 17.03.41 um 03.30 Uhr
Bremen am 17.03.41 um 07.30 Uhr
Hamburg am 17.03.41 um 18.00 Uhr

Nach dem Abrücken der Hamburger Wehr waren noch 3 Löschzüge und 3 Löschboote der hiesigen Einsatzkräfte eingesetzt. Nach und nach konnten diese Löschkräfte verringert werden. Aber immer wieder machten die Ölbrände besondere Schwierigkeiten. Am Morgen des 19.03.41 waren auch diese Ölbrände erloschen. Danach wurde bis einschließlich Freitag, den 21.03.41, 11.00 Uhr, noch eine Löschgruppe als Brandwache gestellt, die durch eine Sicherheits- und Brandwache von 2 Mann abgelöst wurde und bis auf weiteres noch blieb.

Einige Männer der Schiffsbesatzung erlitten teils schwere, teils leichte Brandwunden und leichte Rauchvergiftungen. Von der F.- und E.- Abteilung sind 4 Sicherheits- und Hilfsdienst-Männer (SHD) verletzt.

Drühmel
Major und Kommandeur
der Feuerschutzpolizei Wesermünde


Das Wrack der "Bremen" wurde von der Kriegsmarine angekauft, die es heben und in den Bremerhavener Kaiserhafen verholen ließ. Hier begann man 1942 damit, alle noch verwertbaren Teile zu bergen. Dann traten die Schneidbrenner in Aktion und zerlegten den ehemaligen Schnelldampfer, der einst das " Blaue Band " für die schnellste Atlantik-Überquerung errungen hatte, zu Schrott.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven