1948 - Explosion in der Kaiserschleuse

EIN SEHR TRAURIGES EREIGNIS ÜBERSCHATTETE AM 04. NOVEMBER 1948 DAS LEBEN IN DER BERUFSFEUERWEHR BREMERHAVEN.

Bei Rettungsarbeiten in einem Tor der Kaiserschleuse ereignete sich eine Explosion. Die drei Kollegen erlitten durch eine Stichflamme schwerste Verbrennungen. Sie gaben ihr Leben für die Errettung von Verunglückten.

ZEITUNGSBERICHT ÜBER DIE EXPLOSION IN DER KAISERSCHLEUSE

Am Donnerstag gegen 14 Uhr wurde die Bremerhavener Berufsfeuerwehr alarmiert. In der Kaiserschleuse waren zwei mit dem Anstrich beschäftigte Arbeiter durch Gasbildung bewußtlos geworden. Nach einstündiger Arbeit konnte der erste Arbeiter aus dem untersten Deck geborgen werden. Beim Bergen des zweiten Bewußtlosen entstand eine Stichflamme, die eine Explosion zur Folge hatte. Durch die Explosion wurde der Feuerwehrmann Ernst Filipiak getötet, während vier andere Feuerwehrleute mit schweren Verbrennungen und der zweite Arbeiter mit einer Gasvergiftung in das Städtische Krankenhaus und das St. Joseph-Hospital in Bremerhaven eingeliefert werden mußten. Über die Ursachen, die zur Explosion führten, herrscht noch Unklarheit. Man hält es für möglich, daß die Farbgase beim Zuführen von Preßluft und Sauerstoff hochexplosiv wurden und durch ein schadhaftes Kabel zur Entzündung gelangten. Für die Bremerhavener Feuerwehr ist dies der schwerste Schlag, den sie nach Kriegsende hinnehmen mußte. Oberbürgermeister Gullasch besuchte die Verletzten in den Krankenhäusern.

In den Krankenhäusern verstarben an ihren schweren Verbrennungen:
der Oberbrandmeister Christoph Hoops
und der Feuerwehrmann Hermann Tröster.

DER LETZTE ALARM

Von hohen Kandelabern mit brennenden Kerzen flankiert, unter der Fülle der Kränze fast verschwindend, standen die Särge der Feuerwehrleute aufgebahrt, die in Ausübung ihres Berufes den Opfertod starben. Achtzehn ihrer Kameraden standen als Ehrenwache an den Särgen.

Senatspräsident Kaisen, der Chef der Militärregierung Melloni, Senator van Heukelum, Oberbürgermeister Gullasch, Bürgermeister Rumpf, der Dezernent für das Feuerlöschwesen Vogelsang, , Vertreter der Bremer, Hamburger Freiwilligen und amerikanischen Feuerwehr, des Roten Kreuzes und viele andere waren erschien, um von den pflichttreuen Beamten Abschied zu nehmen. Herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung für den Opfertod der Feuerwehrbeamten widmeten Oberbürgermeister Gullasch, Senatspräsident Kaisen, Brandrat Keunemann, der Leiter der Bremer Feuerwehr Kulenski den Toten.

Ergreifende Worte fand Pastor Raschke für seine Totenrede, in der er die toten Feuerwehrleute als Menschen und pflichttreue Beamten ehrte. Das Quartett des Stadttheaters spielte von Joseph Haydn das Largo opus 77, Ases Tod von Grieg, das Largo von Händel und Air von Bach.

Noch einmal schrillten die Alarmglocken der Feuerwache zum "letzten Alarm", bevor die Toten nach den einzelnen Friedhöfen überführt wurden. Etwa 600 Personen erwiesen bei der Totenfeier den Verunglückten die letzte Ehre.

Die Trauerfeier fand am Dienstag, dem 9. November 1948, vormittags 11 Uhr, in der Hauptfeuerwache Bremerhaven, Barkhausenstraße, statt.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven