Das Löschwesen von 1950-1993

DIE FEUERWEHR BREMERHAVEN IN DEN FÜNFZIGER JAHREN BIS ZUR 100-JAHR-FEIER 1993


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Städtische Berufsfeuerwehr Bremerhaven

Nach der Kapitulation konnte der Dienstbetrieb auf die friedensmäßigen Belange umgestellt und nach Loslösung von der Polizei, eine Berufsfeuerwehr, wie sie vor dem Kriege bestand, aufgestellt werden. Die Städtische Berufsfeuerwehr Bremerhaven, unter dem Dezernenten Stadtrat Vogelsang, hat sich aus den Trümmern des Krieges und dem Verfall der Nachkriegszeit wieder zu einer leistungsfähigen Einrichtung entwickelt. Leiter der Berufsfeuerwehr Bremerhaven wurde am 26. April 1948 Herbert Keunemann.


DIE FÜNFZIGER JAHRE

Die Feuerwehr hatte wieder ein festes Gefüge und konnte planmäßig aufgebaut werden. Unzulängliche Unterbringung von Personal, Fahrzeugen und Geräten, Unmöglichkeit der Beschaffung dringend notwendiger Ausrüstung, Ersatzteile, Einstellung einer großen Anzahl jüngerer Kräfte hatten sich fast normalisiert. Am 1. März 1950 trat das Gesetz über den Feuerschutz im Lande Bremen in Kraft und regelte die Aufgaben und Durchführung des Feuerschutzes. Die Gliederung der Berufsfeuerwehr Bremerhaven war folgende:

Gebiet Bremerhaven - Nord

  • Feuerwache I ( Hauptwache )
  • Feuerwache IV (Leherheide)
  • Freiwillige Feuerwehr Bremerhaven-Weddewarden

Gebiet Bremerhaven -Süd

  • Feuerwache II (Geestemünde)
  • Feuerwache III ( Wulsdorf)

  • Die Kriegsschäden an den Wachen werden nach und nach beseitigt. Die Arbeiten wurden von den Beamten während der Arbeitszeit durchgeführt.
  • Eine neue Feuermeldezentrale wurde 1950 für 6 Schleifen a 30 Melder auf "Wache I" in Betrieb genommen.
  • Die Bremerhavener Stadtwerke bauten das Rohrnetz so weit aus, daß ca. 2044 Hydranten für Feuerlöschzwecke zur Verfügung standen.
  • Von der amerikanische Armee wird 1950 ein Kranwagen mit einer Hebekraft von 10t erworben.
  • Zur gleichen Zeit wird von der "OMGUS" (OFFICE of Military Gorvernment US-Zone) ein Spezial-Feuerlöschboot gechartert und im Kaiserhafen stationiert, ein weiteres ist z.Z. auf einer Werft im Umbau.
  • Eine Drehleiter, Baujahr 1926, wurde 1950 aus dem Alarmdienst gezogen und als Ersatz eine Drehleiter mit 32 m in den Dienst gestellt. Die Drehleiter 20m, Baujahr 1930 wurde modernisiert.
  • 1951 wird eine 42m hohe UKW-Sende- und Empfangsanlage auf Wache 1 installiert. Die ersten FW-Fahrzeuge und das Löschboot werden mit Funk ausgerüstet.
  • Da zum Anfang die Krankentransportwagen noch kein Funk hatten, mußten sie die Rückmeldungen und Freimeldungen über das Telefon im Feuermelder abgeben.

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In dem Zeitraum bis 1952 wurde folgende Lehrgänge durchgeführt:

  • 1 Brandmeisterlehrgang
  • 4 Anwärter-Lehrgänge
  • 4 Anwärter-Lehrgänge
  • 1 Kraftfahrer-Ausbildungslehrgang
  • Ab1953 ist eine intensive Aufwärtsentwicklung unserer BF zu beobachten. Es werden die ersten neuen Fahrzeuge nach dem Krieg beschafft. Ein TLF, ein Krankenwagen und ein Hilfskrankenwagen machen den Anfang.
  • Die BF hat ab Juni 1953 einen durchgehenden 24 stündigen Dienst im Wechsel mit 24 Stunden Freizeit. Das entsprach einer 84-Stunden Woche. Einmal im Monat wurde ein freier Tag gewährt, so daß die wöchentliche Arbeits- und Bereitschaftszeit auf 78 Stunden die Woche reduziert wurde. Diese kleine Arbeitszeitverkürzung und Abgänge machten Neueinstellungen notwendig.
  • Die Wache Auestraße wurde im Mai 1953 von den Amerikanern geräumt, so daß zwei alte Reservefahrzeuge dort untergestellt werden konnten. Es handelte sich um ein 21 Jahre altes TLF und ein LF 25, einen sogenannten "RUSSENBOCK". Der klobige Aufbau und die enorm lange Motorhaube prägten diesen Ausdruck.
  • Ersatz ist ein zweites neues TLF von Magirus, einen sogenannten " RUNDHAUBER", dessen interne Bezeichnung auf die stark abgerundete Motorhaube basiert, Heutzutage ein von den Sammlern stark gesuchtes Veteranenlöschfahrzeug.
  • Am 9. September 1955 wurde bei der Polizei die einheitliche Notrufnummer 110 zur Meldung eines Überfalles oder Unfalles und bei der Feuerwehr die Nummer 112 zur Meldung eines Feuers eingeführt.

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  • 1957 wird die Arbeitszeit der BF von 78 auf 72 Stunden reduziert. Um diese Verkürzung durchzuführen, wurden 14 Bewerber eingestellt.
  • 1958 kommt direkt vom Genfer-Autosalon ein moderner, leistungsstarker neuer Kranwagen mit 250 PS und einem Eigengewicht von 20T und eine Tragkraft von 15 Tonnen. Der Preis war DM 175.000.
  • Für 1959 ist eine DL, ein TLF und ein LKW geordert. Die vollautomatische 30m DL ist als Ersatz für die aus dem Jahre 1942 stammende DL gedacht. Der Preis war 100.000 DM, heutzutage liegt sie bei einer Million.
  • In den 60er Jahren hat die Bremerhavener Feuerwehr ihren Fahrzeugpark und Gerätepark ständig modernen Errungenschaften angepaßt. Die räumliche Situation der Feuerwehr war, die auf verschiedene Wachen aufgeteilt war, nicht mehr haltbar. Die räumliche Enge konnte auch durch Anbauten, Aufstockungen, die Übernahme von Wohnungen und die Anmietung einer Fahrzeughalle an der Inselstraße beispielsweise nicht mehr entscheidend verbessert werden. Ein sinnvoller Betriebsablauf im Interesse der Bürger war nicht zu organisieren. Die mittlerweile doch recht zahlreich vorhandenen Spezialfahrzeuge trafen, von unbesetzten Standorten kommend, mit Verzögerung an der Einsatzstellen ein.
  • 1960 wurde von den Kollegen die Betriebssportgemeinschaft der Feuerwehr gegründet.
  • Von 1961 bis 1968 plante man den Erweiterungsbau der "Wache I" in Richtung Querstraße, der aber nicht realisiert wurde.

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  • Im Herbst 1967 gab der Stadtrat Vogelsang das Dezernat Feuerlöschwesen ab. Sein Nachfolger wurde Stadtrat Eggers. Nach 24jähriger Dienstzeit bei der Feuerwehr Bremerhaven ging der Oberbrandrat Herbert Keunemann am 31. Dezember 1967 in den wohlverdienten Ruhestand. Ab den 1. Januar 1968 übernahm Brandrat Hans Schmengler die Leitung der BF Bremerhaven.

Der Personalstand der Feuerwehr Bremerhaven betrug am 30. Juni 1968: 156 Beamte und 10 Angestellte. Zum Fahrzeugpark gehörten :

  • 8 Tanklöschfahrzeuge
  • 2 Löschgruppenfahrzeuge
  • 1 Trockentanklöschfahrzeug
  • 3 Kraftfahrdrehleitern
  • 1 Kranwagen 15 t
  • 1 Gerätewagen
  • 1 Schlauchwagen (2000m B)
  • 4 Personenwagen ( Einsatzleitwagen)
  • 6 Lastkraftwagen
  • 1 Krad
  • 2 Feuerlöschboote
  • 10 Krankenwagen
  • 2 Hilfskrankenwagen
  • Im Juli 1968 feierte die Berufsfeuerwehr Bremerhaven ihr 75jähriges Jubiläum.
  • Ein Tag der offenen Tür erwies sich als voller Erfolg. Vorführungen mit Leitern, Löschangriffsübungen an brennenden PKW, die Inbetriebnahme des neuen Leichtschaumgenerators, Ausstellung von Geräten, für verschiedene Einsätze die entsprechende Schutzkleidung, Bilderdokumentation und Modellsammlung rundeten das Bild ab.
  • 1969 wurde ein 30 000 m² großes Vorbehaltsgelände zwischen der Siedlung am Bürgerpark und der Hexenbrücke im Bebauungsplan ausgewiesen.
  • 1970 wurde der Stadtkämmerer von der Bauabsicht einer neuen Feuerwache unterrichtet. Die erste Kostenschätzung ergab einen Betrag von 12 750 000 DM.
  • Am 21. Januar 1971 hat der Feuerwehrausschuß den Bau einer zentralen Feuerwache beschlossen. Die Planungen für die neue Wache gingen bis 1977.
  • Durch die Kollision im Dezember 1971 wurde das Feuerlöschboot 2 im Kaiserhafen schwer beschädigt. Dadurch hatte die Schlagkraft der Feuerwehr Bremerhaven zu Wasser erheblich gelitten. Das bisher im Fischereihafen stationierte Löschboot 1 wurde in den Kaiserhafen verlegt.
  • Im Februar 1972 wird der erste Notarztwagen (NAW) in Dienst gestellt. Die Feuerwehr hatte zwischenzeitlich 30 Transportsanitäter ausbilden lassen. Ab Oktober 1973 stehen von allen Bremerhavener Krankenhäuser Ärzte für den Notfall-Rettungsdienst bereit.
  • Die Forderung nach Ersatz wurde laut. Das neue Boot sollte den Feuerschutz im Mündungstrichter der Weser bis zur offenen Nordsee, für die Anlagen an der Weser und im Hafen übernehmen. Am 20 Oktober 1973 wurde der Löschkreuzer mit einem 100-t-Schwimmkran als Stapellauf zu Wasser gelassen. Europas modernster Feuerlöschkreuzer wurde am 28. Januar 1974 auf den Namen "Weser" getauft und in Dienst gestellt.

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  • Am 01. Juli 1975 übernahm der Oberbrandrat Walter Aster die Leitung der Städtischen Feuerwehr. Er zählte zu den vielen Feuerwehrführern, der von der Pike auf über 16 Lehrgängen aufgestiegen ist.
  • Ab 1976 / 1977 wird das Wechselladesystem eingeführt. Mit zwei Wechselladefahrzeugen können Container mit verschiedener Ausrüstung transportiert werden. Je nach Bedarf wird mit einem Hebearm der benötigte Abrollbehälter auf das Trägerfahrzeug gezogen.
Am 8. Juni 1977
erhält der Leiter der Feuerwehr Bremerhaven
Herr Oberbrandrat Walter Aster
vom Deutschen Feuerwehrverband
das
Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz
in Gold
für Verdienste im Feuerwehrwesen
verliehen.
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Die Stadtverordnetenversammlung faßte 1977 den Beschluß, neben dem Autobahn - Zubringer "Bremerhaven -Mitte" eine Zentrale Feuerwache zu bauen.

Die Grundsteinlegung war am 26. Juli 1978. Nach einer Bauzeit von 2 Jahren wurde im Mai 1980 die Zentrale Feuerwache eingeweiht. Auf dem Grundstück mit einer Fläche von 40 000 m² entstanden Gebäude mit 82 847 m³ umbauten Raum, die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. 40 Mio. DM.

Noch 1978, in der Bauphase der Zentralen Feuerwache, wurde beschlossen eine Landesfeuerwehrschule für das Land Bremen mit anzubinden. Der Lehrbetrieb wurde am 02. Juni 1980 aufgenommen. Schuldirektor wurde der Branddirektor Manfred Allstein von der Feuerwehr Bremerhaven. Durch die Konzentrierung der Feuerwehrkräfte, Fahrzeuge und Geräte wurden die alten Wachen ( Wache I , II, III , IV ) von der Berufsfeuerwehr nicht mehr benötigt.

Am 17. Juli 1980 wird die alte Hauptwache der Feuerwehr an der Barkhausenstraße (1901 gebaut) abgerissen.


Am 17. September 1983 hatte die Feuerwehr Bremerhaven und der Brandabschnitt Cuxhaven-Wesermünde Nord/Süd erstmalig zu einer Großveranstaltung in Bremerhaven auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz eingeladen.

" Sicherheitshalber 112 - Deine Feuerwehr "

war das Motto der bundesweiten Brandschutzwoche von 19.09 bis 25.09.1983.


  • Der Leiter der Feuerwehr Bremerhaven, der Branddirektor Walter Aster ging am 31. August 1985 in den Ruhestand.
  • Ab den 1. September 1985 übernahm der Schuldirektor Manfred Allstein auch die Leitung der Feuerwehr Bremerhaven bis zu seiner Pensionierung am 30. Juni 1992.
  • Neuer Leiter der Feuerwehr wurde ab 01. Juli 1992 Branddirektor Dr. Hans Joachim Held, der auch am 04. August 1992 kommissarisch neuer Schulleiter wurde.

Zum 100jährigen Jubiläum
wurde das Buch
Der Rote Hahn
100 Jahre Bremerhavener Berufsfeuerwehr
von Dieter Umbach
herausgegeben
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Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven