1970 - Brand auf dem Trawler " Vest Recklinghausen "

AM 22. AUGUST 1970 MIT ACHT TOTEN

Heckfänger "Vest Recklinghausen", Feuer an Bord, benötigt dringend Hilfe, Position Nähe Tonne 3 Wesermündung !" Dieser SOS-Ruf löste am 22. August 1970, um 15 Uhr vor der deutschen Nordseeküste eine Rettungsaktion größten Umfangs aus. Das Seenot-Rettungsboot "Hans Lüken" erreichte als erstes gegen 16.15 Uhr den Havaristen, der etwa 1,5 Seemeilen westsüdwestlich vom alten Leuchtturm Roter Sand trieb.

Das Schiff hatte am gleichen Tag Bremerhaven verlassen und war auf der Ausreise nach den Fischfanggebieten. Etwa um 14.30 Uhr hatte der Kochsmaat aus persönlichen Gründen - er wollte den Abbruch der Reise erzwingen, weil er keine Lust hatte, mit dem Schiff auf Fangreise zu gehen - in der Mannschaftsmesse einen Brand gelegt.

Das Feuer hatte sich so rasch ausgebreitet, daß es mit Bordmitteln nicht mehr unter Kontrolle zu bringen war. Erst unter Mithilfe von 10 herbeigeeilten Schiffen gelang es, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Darunter war auch das Feuerlöschboot (LB) "Bremerhaven 1", ein Boot für den Hafenbereich und unter schlechteren Wetterbedingungen für die Außenweser nicht geeignet.

Es dauerte rund drei Stunden, bis das LB den brennenden Fischdampfer erreichte. Der Fischdampfer brannte vom Vorschiff bis zur Mitte des Schiffes unterhalb der Brücke, in den Kammern, den Betriebsgängen und im Zwischendeck zu den Fischladeräumen in voller Ausdehnung. Die Decksplatten waren schon verformt und nicht mehr begehbar.

Mit einem bordeigenen Brennschneidgerät wurde von Besatzungsmitgliedern mit Unterstützung der Bundesmarine ein Besatzungsmitglied, das an Backbordseite in einem Bullauge festsaß, herausgebrannt. Ein weiteres Besatzungsmitglied in der selben Situation und sieben eingeschlossene Besatzungsmitglieder konnten aufgrund der Hitzeentwicklung nicht mehr gerettet werden.


Keiner kann sich vorstellen, welch verzweifelter Kampf sich in den Stunden abgespielt hat. Das war unbeschreiblich grauenvoll. Wir hörten die Schreie der Eingeschlossenen und konnten uns doch nur so langsam vorankämpfen.


Die Hitze war am schlimmsten, alles glühte. Wir sahen nichts. Der Qualm ließ uns wie blind vorantasten. Heiße Blechplatten fielen auf uns von der Decke herab. Dann mußten wir wieder den Rückzug antreten und es von der anderen Seite versuchen. Die Schläuche schmolzen unter dem Feuer weg. " Die Atemschutzmaske, die vollgesogenen schweren Einsatzkleider, alles behinderte und wir wollten doch helfen", so die Aussage vom Einsatzleiter der Feuerwehr, Walter Aster.

Unsagbare Panik muß die Eingeschlossenen erfaßt haben, denn eine Flucht durch die lodernden Flammen im Gang der Mannschaftsräume ins rettende Freie war der sengenden Hitze wegen nicht mehr möglich. Einige retteten sich durch den Schornstein. Sie kletterten nach oben und ließen sich in ihrer Todesangst metertief fallen. Drei von ihnen wurden schwer verletzt geborgen. Von vierzig Besatzungsmitgliedern fanden acht den Tod.

Der Trawler " Vest Recklinghausen wurde um 21.30 Uhr nach Bremerhaven zurückgeschleppt und traf am 23. August um 2 Uhr nachts dort ein. Schweigend harrte an der Pier des Fischereihafens eine große Menschenmenge. Ergriffen nahmen selbst die härtesten Seebären die Mütze vom Kopf.


Mit rußgeschwärzten Gesichtern, erschöpft und durchnäßt bis auf die Haut verließen elf Feuerwehrmänner das Schiff. - Es war ein trauriger Tag -

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven