1975 - Zwei Tote bei Brand auf Trawler "Salzburg"

Bericht von der Nordsee-Zeitung vom 24. Mai 1975
Zwei Seeleute beschuldigten sich gegenseitig der Tat
Der Trawler "Salzburg" sollte am Sonnabend auslaufen

Zwei Todesopfer forderte ein Brand in den Mannschaftsräumen des Fischereifahrzeuges "Salzburg" (651 BRT) gestern abend (Freitag, 23. Mai 1975) an der Kaje der Hanseatischen Hochseefischerei im Fischereihafen II. In einer dramatischen Rettungsaktion in den völlig verqualmten Gängen und Kammern des Trawlers hatte die Feuerwehr drei Seeleute geborgen. Der erste Mann starb nach der Einlieferung ins Krankenhaus, der zweite überlebte mit einer schweren Rauchvergiftung und Verbrennungen, der dritte konnte nur noch tot aus seiner Koje gezogen werden. Nach ersten Ermittlungen wird Brandstiftung vermutet. Zwei betrunkene Seeleute beschuldigten sich gegenseitig, das Feuer, im Logis im unteren Niedergang gelegt zu haben.

Etwa um 19.45 Uhr torkelten dem Pförtner der Hanseatischen Hochseefischerei zwei Seeleute entgegen. In dem einen erkannte der Pförtner den Motorenwärter der "Salzburg", dem anderen den Koch der "Carl Wiederkehr". Der Pförtner:" Die beiden waren völlig betrunken. Der Koch beschuldigte den Motorenwärter, er habe Feuer gelegt. Der Brand sei aber bereits gelöscht, sagten sie mir."

Der Pförtner alarmierte die Wasserschutzpolizei und die Feuerwehr. Die Beamten der Wasserschutzpolizei waren zuerst da. Vor dem Pförtnerhaus prügelten sich die Betrunkenen und beschuldigten sich gegenseitig. Ein Beamter: "Einer rief immer: Du Schwein, du Schwein, du hast das angesteckt." Dann sagten sie uns: " Drei Mackers von uns liegen da noch drin." Von außen war die Rauchentwicklung noch kaum zu erkennen, doch als die Beamten zu den Kajüten am Achterdeck hinunterklettern wollten, kamen sie nicht weiter. Zwei Minuten nach dem Pförtner alarmierten sie die Feuerwehr, die um 19.50 Uhr von der " Wache Verdener Straße" in Geestemünde anrückte.

Während die Wasserschutzpolizei die beiden betrunkenen Seeleute zur Blutprobe in ein Krankenhaus brachte, um sie anschließend ins Polizeigewahrsam zu stecken, versuchten Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten an den Brandherd zu gelangen und die in den umliegenden Kammern vermuteten Seeleute zu retten. Da sie in dem Rauch absolut nichts sehen konnten, tasteten sie sich mühsam voran. So fühlten sie auch die Kammer ab, in der es brannte, doch sie faden nur Wände, keine Menschen. In der zweiten Kammer entdeckten sie einen Mann bewußtlos in der Koje liegen und schleppten ihn nach draußen. Der Seemann, der eine schwere Rauchvergiftung und Verbrennungen im Gesicht erlitten hatte, wurde sofort im Rettungswagen vom Notarzt versorgt. Als der Arzt feststellte, daß sein Kreislauf einigermaßen stabil war, wurde der Verletzte mit einem Krankenwagen in das St. Joseph-Hospital gebracht. Kurz nach seiner Einlieferung aber starb er.

Ebenfalls bewußtlos war der zweite Mann, den die Feuerwehrbeamten aus der nächsten Kammer holten. Auch er hatte viel Rauch geschluckt und Brandwunden bedeckten einzelne Stellen seines Körpers. Auch er wurde in das St. Joseph-Hospital gebracht. Inzwischen ist er außer Lebensgefahr.

Die Feuerwehrleute suchten weiter, denn es war die Rede von "drei Mackers" gewesen. Parallel dazu lief die Brandbekämpfung. Um 20.34 Uhr konnte " Feuer aus " gemeldet werden. Jetzt gingen die Beamten daran, die Räume zu entlüften. Der Löschkreuzer " Weser " war längsseits gegangen und versorgte den Rettungstrupp mit Strom und Lüftungsschläuchen. Die Retter atmeten bereits auf, als es hieß: " Wir haben alle drei Kammern durchsucht, da ist niemand mehr drin." Doch dann, bei etwas besserer Sicht, sahen die Beamten noch einmal ganz genau nach. Was sie tastend nicht bemerkt hatten, sahen sie jetzt. In der ersten Kammer war die Koje verschlossen. Als sie den Verschlag aufbrachen, entdeckten sie den dritten Mann. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Der Bestmann hatte gerade erst angemustert und auf der "Salzburg", die heute auslaufen sollte, seine erste Reise antreten wollen.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven