1977 - Brand auf MS "Burgenstein"

TRAGISCHES UNGLÜCK IN BREMERHAVEN

Überschriften wie "Knapp am Fall X vorbei" oder "Tödliche Giftgaswolke bedrohte Bremerhaven" und ähnliche Schlagworte waren am 11. Januar 1977 in der Presse zu lesen und im Rundfunk zu hören. Was war geschehen?

Am 10.01.1977 liefen um 9.25 Uhr mehrere Notrufe in der EZ ein, daß sich an Bord von MS "Burgenstein" eine Explosion mit nachfolgendem Brand ereignet hätte. Aufgrund dieser Meldungen rückte sofort die gesamte Wache I aus. Bereits während der Fahrt zur Einsatzstelle sah der Einsatzleiter über dem Einsatzort eine starke pilzförmige Rauchwolke, die über den Hafen in Richtung Stadt zog und forderte Verstärkung an. Die Wachen II und IV waren zu diesem Zeitpunkt bereits alarmiert worden. Eine Freiwachenalarmierung wurde gleichfalls durchgeführt.

Drei türkische Seeleute, die mit Lascharbeiten im Unterraum der Luke II des Schiffes beschäftigt waren, wurden vermißt. Sie konnten später nur noch tot geborgen werden. Fünf Bremerhavener Stauerleute, die mit Umstauarbeiten unter Einsatz eines Gabelstaplers in der Luke II beschäftigt waren, konnten sich noch rechtzeitig vor den Flammen in Sicherheit bringen und flüchteten auf die Back des Schiffes, von wo sie später von der Feuerwehr gerettet wurden. Ein weiterer bedauerlicher Todesfall, der in indirektem Zusammenhang mit dem Unglück stand, ereignete sich acht Stunden nach Ausbruch des Brandes. Der morgens ebenfalls von der Back gerettete Bootsmann des Schiffes brach am Nachmittag auf der Pier infolge akuten Herzversagens zusammen. Im Krankenhaus konnte leider nur noch der Tod festgestellt werden.

MS "Burgenstein" hatte am 9. 1. 1977 morgens um 3 Uhr an der Columbuskaje vor der Stückgutanlage in Bremerhaven festgemacht, um einen Teil der Ladung zu löschen und weitere Ladung an Bord zu nehmen. Bei der Stückgutanlage handelt es sich um eine nach den modernsten Gesichtspunkten erbaute Anlage von ca. 30 000 m², die erst 1976 in Betrieb genommen worden ist. Das Gebiet der Stückgutanlage ist in zwei Brandabschnitte zu je ca. 15 000 m² unterteilt. Eine Ringleitung mit einem Durchmesser von 200 mm ist auf diesem Gelände verlegt worden. Die Einspeisung dieser Ringleitung erfolgt aus dem Hafen über das dort ca. 20-30 m von der Einspeisungsstelle entfernt liegende Löschboot I.

Brandobjekt:

  • MS "Burgenstein"
  • Bauwerft: Bremer Vulkan, Baujahr: 1958
  • Vermessung : 8495 BRT, Tragfähigkeit: 10 915 tdw
  • Länge über alles: 146,95 m, Größte Breite: 19,84 m
  • Antrieb: 9000-PS-Dieselmotor, Geschwindigkeit: 17,5 Kn

Art der Ladung

Luke I: Butanol, Natriumcyanid, Paranitroaniline, Barium-Cadmium, Xylol, Äthylalkohol
Luke II: Kapokballen, geflochtene Matten, Stoffballen, Furnierhölzer in Ballen, Stückgut, Natriumperoxid, Kunstharz, Kunstharz-Granulat
Luke III: Zellulose in Ballen, Autoreifen, Stückgut, Papier in Rollen

LAGE

Beim Eintreffen an der Einsatzstelle um 9.32 Uhr fand der Einsatzleiter folgende Lage vor: Die Luke II brannte mit sehr starker Rauchentwicklung in voller Ausdehnung. Das Vorschiff und die Pier waren in diese Rauchwolke eingehüllt. Auf dem Deck des Schiffes brannte landseitig neben der Luke II ein Gabelstapler, auf der Wasserseite brannte neben der Luke II eine Holzkiste mit den Maßen ca. 3,00 x 1,50 X 2,50 m. Besatzungsmitglieder von MS "Burgenstein" hatten bereits einen C-Schlauch zur Brandbekämpfung und zum Kühlen des Decks vorgenommen.

Auf dem Vorschiff befanden sich sieben Personen, die das Schiff nicht mehr verlassen konnten, da das Schiff lediglich achtern über eine Gangway betreten werden konnte und ihnen dieser Fluchtweg durch den Brand der Luke II abgeschnitten war. Drei Mann der Besatzung wurden als vermißt gemeldet. Diese drei Besatzungsmitglieder waren zum Zeitpunkt der Explosion im unteren Stauraum der Luke II mit Lascharbeiten beschäftigt gewesen. Auf dem Deck des Schiffes standen neben der Luke III Container, die den Zugang zur Luke II stark einengten. Das Zugseil eines Krans ragte mit angehängter Last in die Luke I hinein.

RETTUNGSEINSATZ

Zur Rettung der auf der Back vom Brand abgeschnittenen Personen wurde sofort die Drehleiter ausgefahren. Drei Personen wurden anschließend zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Sie konnten jedoch nach ambulanter Behandlung wieder entlassen werden. Ein Trupp unter schwerem Atemschutz erkundete die Lage in Luke III. Er sollte feststellen, ob die Möglichkeit bestand, auf diesem Wege an die Eingeschlossenen im Unterraum der Luke II heranzukommen. Die Erkundung ergab, daß auch bereits in Luke III Ladung in Brand geraten war. Eine Rettung der Eingeschlossenen auf diesem Wege war daher zunächst nicht möglich. Auch von Luke I aus konnte nicht direkt an die Luke II herangekommen werden, weil an der Bordwand der Luke II in diesem Bereich ebenfalls Ladung gelagert war. Ähnlich gelagerte Schwierigkeiten hätten sich auch für den Unterraum der Luke III ergeben, wobei hier noch zunächst das Ablöschen der bereits brennenden Ladungsteile und eine Entladung des vollgestauten und abgedeckten Unterraums hinzugekommen wäre. Einsatzkräfte mit dem für das Auftrennen des Trennschotts benötigten Brenngerät in den Unterraum der Luke III zu schicken, konnte auch wegen der erheblichen Gefährdung der Kräfte nicht verantwortet werden. Die Richtigkeit dieser Maßnahme wurde durch die zweite Explosion bestätigt.

Von außen durch die Bordwand an die Eingeschlossenen heranzukommen war gleichfalls unmöglich, da der Unterraum der Luke II unterhalb der Wasserlinie lag. Der Versuch, die drei Vermißten trotz aller für das Leben der Rettungskräfte bestehenden Gefahren doch noch zu retten, wurde nach der zweiten Explosion abgebrochen, da zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit auszuschließen war, daß die im Unterraum der Luke II Eingeschlossenen noch am Leben waren. Eine später vorgenommene Obduktion der Toten ergab, daß Sauerstoffmangel und Rauchvergiftung zum Tod der drei Seeleute geführt haben.

BRANDBEKÄMPFUNG

Parallel zur Menschenrettung wurde gleichzeitig der Löschangriff mit allen verfügbaren Kräften vorgetragen. Bei dem ersten Angriff wurden ein B-Rohr und vier C-Rohre eingesetzt, um die Holzkiste und den Gabelstapler abzulöschen und das Deck zu kühlen. An Bord wurde dem Einsatzleiter seitens der Schiffsführung mitgeteilt, daß sich in der Luke II gefährliche Ladung nach Imco 5.1 befindet. Stoffe der Klasse 5.1 sind mit großen Wassermengen aus sicherer Entfernung zu löschen. Die getroffenen Maßnahmen zur Einleitung eines Schaumangriffs wurden daraufhin abgebrochen und die Brandbekämpfung unter Einsatz von Wasser mit allen verfügbaren Kräften aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgten in der Luke II laufend weitere Verpuffungen. Daß auch bereits ein Teil der Ladung in der Luke I in Brand geraten war, konnte wegen der starken Rauchentwicklung zunächst nicht festgestellt werden. Während dieser Phase wurden die Ladungspapiere dem Einsatzleiter übergeben. Um 9.50 Uhr übernahm der Verfasser des Berichts die Einsatzleitung. Der Einsatz gestaltete sich aufgrund der starken Hitze und der damit verbundenen Rauchentwicklung außerordentlich schwierig. Die Anforderungen an das eingesetzte Personal waren extrem groß. Gegen 10.25 Uhr wurde von den Einsatzkräften, die sich unmittelbar am Lukenrand der Luke II befanden, eine starke Geräuschbildung in der Luke wahrgenommen. Daraufhin zogen sich die Einsatzkräfte vom Lukenrand zurück. Als sie ca. 2 m von der Luke entfernt waren, erfolgte die zweite Explosion mit einer Stichflamme von ca. 40 m Höhe, die bis über die Masten des Schiffes hinausschlug. Die sich bereits wieder an Bord befindlichen Besatzungsmitglieder von MS "Burgenstein" verließen fluchtartig das Schiff, und vom Einsatzleiter wurde auch für die Einsatzkräfte der Befehl zum sofortigen Verlassen des Schiffes gegeben. Zum Zeitpunkt der Explosion befand sich ein mit Rettungsversuchen für die Eingeschlossenen beschäftigter Trupp unter schwerem Atemschutz in der Luke IIl. Auch diese Leute konnten das Schiff zum Glück unversehrt verlassen.

Ca. sieben Minuten nach der zweiten Explosion wurde das Schiff zur Fortsetzung der Brandbekämpfung erneut betreten. Ein Feuerwehrbeamter erkletterte den mit einem Seil in die Luke I hineinragenden Kran, um das Seil zu entspannen, da die Gefahr bestand, daß der Kran umschlug. Im späteren Verlauf der Löscharbeiten wurde dann dieses Seil gekappt. Von den am Einsatz beteiligten Behörden und Einrichtungen wurde eine Technische Einsatzleitung (TEL) gebildet. Die TEL beschloß, sich halbstündlich in der Kabine des Kapitäns zur Lagebesprechung einzufinden. Um 10.27 Uhr wurde die Einspeisung der Ringleitung von der Löschbootbesatzung vorbereitet, die um 10.45 Uhr begann. Nun konnte auch von Land her ein umfassender Angriff mit Wasser vorgenommen werden. Von der Wasserseite her wurden die Löschmaßnahmen durch den Löschkreuzer "Weser" und einige später hinzugezogene Schlepper unterstützt. Dabei hatte der Löschkreuzer die Aufgabe, über den 17 Meter hoch ausgefahrenen Monitor Wasser direkt in die Luke II zu geben. Mit den anderen Monitoren wurde gemeinsam mit den Schleppern "Vesta", "Stella", "Planet", "Luneplate" und "Jade" die Bordwand gekühlt.

Seit zirka 10 Uhr wurden aufgrund der Mitteilung, daß sich in der Luke I Natriumzyanid befindet, laufend Messungen durchgeführt, da die Gefahr der Bildung von Blausäuredämpfen bestand. Die Prüfröhrchen zeigten jedoch noch keine Reaktion an. Diese Blausäuredämpfe wären aufgrund der herrschenden Windverhältnisse über den Hafen bis zirka zwei Kilometer in die Stadt in nordöstlicher Richtung hineingeweht worden. Um 11.52 Uhr wurde ein zusätzlicher Chemiker aus Bremen für die Gasmessungen angefordert, der gegen 13 Uhr an der Einsatzstelle eintraf und die Messungen übernahm. Gegen 11 Uhr wurde von der TEL entschieden, die Brandbekämpfungsmaßnahmen von Wasser auf Schaum umzustellen, da sich durch die großen Wassermengen der Tiefgang des Schiffes bereits erheblich verändert hatte und die Stabilität gewahrt werden mußte.

Da zum Zeitpunkt der Messungen nicht abgesehen werden konnte, inwieweit sich der bereits auf die Luke I übergegriffene Brand auf die Natriumzyanidladung auswirken würde, wurde die TEL über die Möglichkeit einer Giftgasgefahr für die Stadt unterrichtet. Die TEL ordnete daraufhin vorbeugende Maßnahmen für eine eventuelle Evakuierung der im Ernstfall betroffenen Bevölkerung an. Die Absperrung des gesamten Hafenbereiches erfolgte unmittelbar nach Bekanntwerden der gefährlichen Ladung in Luke 1 durch die Schutzpolizei in vorbildlicher Weise.

Alle im Hafen Beschäftigten wurden von ihren Betrieben aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt. Nicht zuletzt durch diese Absperrmaßnahme war ein reibungsloser Austausch des Einsatzpersonals und der benötigten Mittel wie Schaummittel, Schläuche usw. gegeben. Neugierige wurden auf diese Art und Weise von der Brandstelle ferngehalten. Ein Streifenboot der Wasserschutzpolizei machte die durchgehende Schiffahrt auf den Brandeinsatz aufmerksam und forderte zum vorsichtigen Passieren in sicherem Abstand auf.

Als gegen Mittag immer noch kein Löscherfolg abzusehen war, wurden seitens der zuständigen Wasserbehörde Überlegungen angestellt, wohin das Schiff, falls es aufgegeben werden müßte, verschleppt werden sollte. Die Vorbereitungen für diese Maßnahme - Anwesenheit eines Lotsen an Bord, Herstellen der Schleppverbindungen zum Brandobjekt usw. - wurden soweit vorangetrieben, daß es ohne weitere Verzögerungen möglich gewesen wäre, das Schiff sofort von der Pier abzulegen, um es dann an diesen Platz zu schleppen. Aus einsatztaktischen Gründen sprach sich die Feuerwehr jedoch stets für ein Verbleiben des Schiffes an der Pier aus. Gegen 12 Uhr wurde die Einsatzstelle mit Hilfe eines Polizeihubschraubers aus der Luft besichtigt. An der Erkundung waren außer dem Unterzeichner noch drei weitere Mitglieder der TEL beteiligt. Die Erkundung ergab, daß sich der Hauptbrandherd in der Luke II jeweils an der Steuerbordseite und der Backbordseite befand. Ein weiterer Brandherd bestand an der Schottwand der Luke 1 zur Luke II. In der Luke 1 wurde daraufhin ein gezielter Löschangriff eingeleitet, der auch rasch zum Erfolg führte. Gegen 13.30 Uhr beschloß die TEL, daß das Schiff an der Kaje verbleibt.

In einem der als Decksladung mitgeführten Container befand sich gleichfalls gefährliche Ladung, die jedoch in einem Brandfall auf den Container selbst begrenzt geblieben wäre. Um eine bessere Angriffsmöglichkeit für den Bereich der Luke 11 zu erhalten, wurden die Container mit Hilfe eines Schwimmkrans entladen. Nun konnten Löcher in das Deck gebrannt werden und auch die bis dahin im durch die Lukenöffnung bedingten "toten Winkel" gelegenen Bereiche der Luke II abgelöscht werden. Gleichfalls wurde das Querschott von der mittlerweile abgelöschten Luke I zur Luke 11 durchgebrannt, um einen weiteren Löschangriff in der Horizontalen zu ermöglichen. In der Luke 1 wurden weitere Entstehungsbrände abgelöscht. In der Luke III wurde bereits während der Brandbekämpfung unter Einsatz eines Gabelstaplers, der von Feuerwehrbeamten unter schwerem Atemschutz bedient wurde, mit den Entladungsarbeiten begonnen, um einen erneuten Brand auszuschließen.

Gegen 14 Uhr konnte der für die Stadt gegebene Giftgasalarm wieder aufgehoben werden. Der Hafenbereich blieb jedoch noch für die Öffentlichkeit gesperrt. Während wie auch nach der Brandbekämpfung wurde die Luke II zunächst mit bordeigenen, später mit Lenzpumpen der Feuerwehr gelenzt. Um 18.09 Uhr konnte endgültig "Feuer aus" gemeldet werden. Einzelne Brandnester, die sich bei der Entladung der Luken immer wieder zeigten, wurden noch abgelöscht. Schwelende Kapokballen wurden an Land abgelöscht und zum Brandplatz im Hafen verbracht. Ein Feuerwehrmann wurde mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Er konnte jedoch bereits am nächsten Tag wieder entlassen werden.

BRANDURSACHE

Alle an der Ermittlung der Brandursache Beteiligten waren sich darüber einig, daß das in der Luke II geladene Natriumperoxyd teilweise aus den Fässern ausgetreten sein muß und in Verbindung mit Feuchtigkeit und organischen Stoffen ursächlich für die Entstehung des Brandes war.

Wie es zu dem Austritt des Natriumperoxyds gekommen war, konnte auch in der am 3. März 1977 stattgefundenen mündlichen Seeamtsverhandlung nicht endgültig geklärt werden. Der vom Seeamt mit der Untersuchung beauftragte Chemiker stellte in Laborversuchen fest, daß Natriumperoxyd und Sägespäne in Verbindung mit Feuchtigkeit schlagartig zur Entzündung kamen. Ob jedoch Sägespäne im Zwischendeck der Luke 11 vorhanden waren, blieb zwar in der Seeamtsverhandlung offen, es ist jedoch üblich, bei regnerischem Wetter und Einsatz eines Gabelstaplers Sägespäne zu verwenden. Fest stand, daß sich Sägespäne an Bord befanden. Sei es, daß sie von Stauern mit an Bord gebracht worden waren oder sich ohnehin bereits an Bord befanden.

SCHLUSSBEMERKUNG

Die an der Einsatzstelle eingerichtete TEL hat sich bestens bewährt. Durch die Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und den am Einsatz beteiligten Behörden und Einrichtungen, wie Hafenkapitän, Wasser- und Schiffahrtsamt, Wasserschutzpolizei, Schutzpolizei, Reederei Hapag-Lloyd AG, Stauerei usw., war ein reibungsloser Ablauf des Einsatzes gegeben. Sämtliche Maßnahmen konnten rechtzeitig eingeleitet werden und waren sinnvoll aufeinander abgestimmt. Die bereits seit einiger Zeit bestehende Absprache zwischen den Feuerwehren Bremerhaven und Bremen und den im norddeutschen Raum vorhandenen Schaummittel-Firmen hat sich durch den reibungslosen Ablauf des Nachschubs gut bewährt.

Die aus Anlaß des 150jährigen Geburtstages der Seestadt Bremerhaven an diesem Tage in Bremerhaven durchgeführte gemeinsame Arbeitssitzung des Bremer Senats und des Magistrats der Stadt Bremerhaven gab verschiedenen Senatoren und Magistratsmitgliedern Gelegenheit, die von der Feuerwehr Bremerhaven getroffenen Rettungs- und Brandbekämpfungsmaßnahmen direkt an der Einsatzstelle zu verfolgen. Der Präsident des Senats, Herr Bürgermeister Koschnick, ließ sich an Bord von MS "Burgenstein" durch Mitglieder der TEL die getroffenen Maßnahmen erläutern. Bei der Brandbekämpfung und den teilweise noch unter schwerem Atemschutz vorgenommenen Entladungsarbeiten waren insgesamt 165 Beamte eingesetzt.

Ein weiteres Problem trat bei der Beseitigung des Löschwassers auf, das zunächst mit Hilfe der Schiffspumpen und Tauchpumpen der Feuerwehr in die Weser abgegeben wurde. Ein Rest von ca. 20 m3 wies eine solche Alkalität auf, daß ein Einleiten in die Weser oder den Hafen nicht zu verantworten war. Dieser Rest wurde in besonderen Tanklastwagen einer Gesellschaft für Gewässerschutz in Bramsche bei Osnabrück zur Neutralisierung zugeführt.

LEHREN:

Der Einsatz auf MS "Burgenstein" hat eindeutig gezeigt, daß der zunehmende Transport und Umschlag von gefährlichen Gütern eine Bekämpfung von Bränden immer schwieriger und komplizierter gestaltet. Aus dem Einsatz auf der "Burgenstein" muß daher die Lehre gezogen werden, daß es für alle vom Umgang mit gefährlichen Gütern betroffenen Firmen und Behörden unbedingt zwingend notwendig ist, über die Behandlung derartiger Güter stets umfassend informiert zu sein. Für die Feuerwehren selbst bedeutet die Zunahme der Transporte von gefährlichen Gütern, eine erhebliche Intensivierung der Ausbildung auf dem Gebiet des Umganges mit Chemikalien und sonstigen gefährlichen Gütern zu betreiben.

Walter Aster Oberbrandrat


In einer aktuellen Stunde hat die Bremische Bürgerschaft (Landtag) am 19.1. 1977 den Einsatz der Feuerwehr quer durch alle Parteien gelobt. Herr Innensenator Fröhlich wies in seiner Rede mit der Hand auf die Zuschauertribüne und sagte: "Meine Damen und Herren, da oben auf dem Zuhörerrang sitzen die Männer, die diesen Brand bekämpft haben und zum Teil ihr Leben riskierten am 10. Januar 1977."

STARKER BEIFALL DER BÜRGERSCHAFT.