Das Löschwesen in der Weimarer Zeit

DAS LÖSCHWESEN WÄHREND DER WEIMARER ZEIT VON 1921-1932


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In dieser Zeit waren einige herausragende Punkte:

Bis 1922 hatten besondere Feuerwächter den Feuerschutz im Fischereihafen kontrolliert. Der Vertrag zwischen Wasserbauamt Geestemünde und der Wachdienst GmbH wurde der Feuerwehr übergeben. Am Tage mussten mindestens 4 und in der Nacht 5 Wachposten im Hafen Wache gehen. Ihre Aufgabe war ständige Kontrolle auf Rundgängen, die Feuermeldung und Brandbekämpfung einzuleiten.

Der Magistrat von Geestemünde beantragte 1920 Mittel für die Einstellung von 4 Berufsfeuerwehrleuten und im Frühjahr 1922 für weitere 6, die aber der Turnerfeuerwehr unterstanden.

Ab Sommer 1921 war die BF auf Beschluss der Stadtverwaltung eine selbständige Organisation. Der Feuerwehrhauptmann August Stolle übernahm im April 1923 die Führung der jungen Berufsfeuerwehr.

Im Jahr 1927 wurde dieser Posten reichsweit neu ausgeschrieben, gleichzeitig wurden 7 Neueinstellungen beschlossen. Unter diesen Neueinstellungen befanden sich auch der Tischler Alfred Stange, später 2. Chef der BF Bremerhaven und Wilhelm Behrens, der spätere Chef der Bf Kassel.

Am 01. April 1924 erfolgte die Vereinigung der FW von Lehe und Geestemünde in den Kreisfeuerwehrverband " WESERMÜNDE ". Vier Feuerwehrleute mußten an 2 Tagen in der Woche als Trichinenbeschauer auf dem Städtischen Schlachthof arbeiten. Nach anfänglichen Versuchen wurde durch starke Gegenargumentation aus den Reihen der Feuerwehr dieser zusätzliche Dienst wieder zurückgenommen.


28. Feuerwehrtag des FW-Verbandes für die Provinz Hannover
vom 01. - 03. Juli 1922 in LEHE

Abordnungen fast aller FFW der Provinz Hannover, zusammen also über 1000 Gäste weilten für 3 Tage in Lehe. Die Festordnung war gewaltig. Die auswärtigen Gäste wurden am Bahnhof Lehe mit Musik empfangen. Leher Jungs trugen das Gepäck in die Quartiere.
Sämtliche Hotels und Gasthöfe in den Unterweserstädten waren belegt, es wurden Bürgerquartiere gesucht. In Kasernen und Geräte häusern wurden Notbetten aufgestellt. Am Samstag den 01. Juli 1922 war großer Begrüßungsabend im " TIVOLI ".

Das Programm bildeten Handakrobatik, Boxkämpfe, Männer- und Damenriegen, Festansprachen usw. Am Sonntag begann der Tag mit einem Weckruf. Ab 07:00 Uhr waren Schulübungen der Leher Wehr zu sehen. Der Vorstand tagte im Hotel "Stadt Lehe", Konzerte im " Deutschen Haus ", dann quer durch Lehe mit Kapellen und Fahnenabordnung im Marschschritt zum "Parkhaus Speckenbüttel". Abends war Beisammensein in den Festsälen bei "Seebeck" (Seebeck am Markt), Hotel "Stadt Lehe" und "Deutsches Haus ". Am Montag war für Nichtteilnehmer Besichtigung der Schiffswerften und des Fischereihafen.

Gemeinsamer Feuerschutz

Seit 1924 waren Bestrebungen angelaufen, einen gemeinsamen Feuerschutz in den 3 Unterweserstädten ( Lehe, Geestemünde und Bremerhaven ) aufzuziehen, die aber scheiterten. 1928 nach Vereinigung von Lehe und Geestemünde zur Stadt Wesermünde wurde noch ein neuer Versuch gestartet. Die beiden Magistrate erarbeiteten folgende Lösung: Die Feuerwehren beider Städte leisten sich gegenseitige Löschhilfe auf Anforderung. Das Oberkommando führt auf jeden Fall der Bremerhavener Branddirektor.

Ab 1932 übernimmt der Bremerhavener Branddirektor Dipl. Ing. Drümel ( vormals BF Düsseldorf ) auch die oberste Leitung der Wesermünder BF und die der FFW. Damit hatte die Befehlsgewalt an der Brandstelle immer ein Berufsfeuerwehrmann.

Die Pflichtfeuerwehren IMSUM und WEDDEWARDEN wurden der Stadt Wesermünde zugeordnet. Die Alarmierung erfolgte über ELEKTROSIRENEN, da die auf dem Feld arbeitenden Landwirte den geblasenen Feueralarm nicht hörten. Die Löschwasserverhältnisse waren sehr ungenügend, daher alarmierte man bei Feuer zusätzlich die Berufsfeuerwehr Wesermünde.

1931 wurde die FF-Weddewarden zu einem Großfeuer auf dem Brinkamaschen Hof gerufen. Aufgrund der Größenordnung musste die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Lehe geholt werden. Im Laufe der Löscharbeiten stürzte eine Giebelwand um und erschlug den Obersteiger Schmidt von der Freiwilligen Feuerwehr Lehe. Er verstarb 2 Stunden später nach Einlieferung in das Krankenhaus Wesermünde-Lehe in der Wursterstraße.


Feuerwache Columbusbahnhof

Die Feuerwache Columbusbahnhof war anfangs mit einem Feuerwehrmann und einem Polizisten besetzt. Die Hochdrucklöschleitung an der Columbuspier wurde von der Wache aus elektrisch unter Druck gesetzt. In der Wachstube war ein Morseapparat, der an die Fernfeuermeldeleitung angeschlossen war, so daß beim Ziehen eines Melders die "Zentrale Feuerwache" unmittelbar alarmiert werden konnte.

Ab 1932 war die Wache ständig mit einem Oberfeuerwehrmann und 2 Feuerwehrmänner besetzt. Ein Löschfahrzeug stand nicht zur Verfügung, nur ein zweirädriger Handschlauchwagen mit Standrohr, Standrohrschlüssel, Schläuchen, Verteiler, Strahlrohren, Rauchschutzapparat und Handleuchten standen bereit. Brennschneidegerät lieferte das Hafenbauamt (HBA) oder der NORDDEUTSCHE LLOYD.

Die Wache diente in erster Linie zur Sicherung der Passagierschiffe. Morgens und abends oder bei Schiffsankünften und besonderen Umschlägen wurden außerdem Wachrundgänge gemacht. Einen besonderen Augenmerk musste die Wache auf die Sicherung der Schnelldampfer "BREMEN" und "EUROPA" legen. Wie ernst man zur damaligen Zeit diese Aufgabe nahm, lässt sich u.a. auch daran erkennen, dass Kontrollen durch den Branddirektor oder seinen Vertreter regelmäßig und überraschend durchgeführt worden.

Damit war eine Epoche beendet.

Quelle: Der Rote Hahn von Dieter Umbach & Archiv Feuerwehr Bremerhaven